Ohne Haue keine Veränderung
Schade eigentlich, dass Heiner Müller und Miranda July sich nie begegnet sind. Ob sich der ostdeutsche Intellektuelle, gegerbt von den totalitären Erfahrungen des 20.
Jahrhunderts (sowie von Whiskey und Zigarren), und die US-amerikanische Künstlerin, die den menschenfreundlichen Hippie-Charme kalifornischer Esoterik versprüht, irgendetwas zu sagen gehabt hätten? Müllers geschichtsbedingter Fatalismus und Julys naiv oder gar neoliberal erscheinendes Vertrauen auf individuelle Selbstheilungskräfte hätten prima aneinander vorbei ins Leere laufen, vielleicht aber auch ein schräges Match ergeben können.
In München konnte man kürzlich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden eine Heiner-Müller- und eine Miranda-July-Premiere besichtigen. Der Theatermacher Oliver Frljic, der 1976 wie Müller in einem Staat geboren wurde, den es nicht mehr gibt – nämlich in der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien – und heute an verschiedenen europäischen Theatern inszeniert, versucht sich mit Müllers «Mauser» im Marstall darüber klarzuwerden, «ob man menschliches Leben zur Erreichung höherer Ziele einsetzen kann» (so Frljic im Programmheftinterview mit dem Produktionsdramaturgen Sebastian Huber). ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Eva Behrendt
Wo Fortschritt ist, macht sich auch Nostalgie breit. Wien war bis in die 1990er Jahre noch dermaßen grau, dass man auch ohne hohes Ausstattungsbudget düstere Spionagefilme, die im Kalten Krieg spielten, drehen konnte. In den letzten Jahren hat sich die Stadt massiv verändert, schicke neue Stadtviertel sind aus dem Boden gewachsen, die...
Die Textgrundlage für die hier abgedruckte Tragödie «Niemand» von Ödön von Horváth ist ein
hektographiertes Typoskript, das der Berliner Verlag «Die Schmiede» 1924 als Bühnenmanuskript hergestellt hat.
Das Typoskript, das sich im Besitz der Wienbibliothek im Rathaus befindet (ZPH 1666), ist der
einzige bekannte Textzeuge dieses Werks.
Der vorliegende Abdruck von...
«Es gibt nichts zu verstehen, aber viel zu erleben.» Der Spruch prangte schon am Eingang zu Kay Voges’ «Borderline Prozession». Nun hat er seinen angemessenen Platz gefunden auf der Übertitelungsschiene zu seiner Inszenierung von «Einstein on the Beach». Philip Glass und Robert Wilson waren sich 1976 darin einig, dass Kunst keine Erzählung irgendeiner Geschichte...
