Nah bei den Dämonen
Einer der berühmten klugen Sätze in Arthur Schnitzlers «Anatol» heißt: «Es gibt so viele Krankheiten und nur eine Gesundheit. Man muß immer genauso gesund wie die andern, man kann aber ganz anders krank sein wie jeder andere!» Mit den kleinen Dramen-Szenen über das Unheimliche des Lebens gelang dem jungen Patrick Schlösser im Jahr 2000 an Anna Badoras Düsseldorfer Schauspielhaus der Aufbruch als Regisseur.
Anatol, der leichtsinnige Melancholiker, wurde in dieser Inszenierung in fiebernden Taumel getrieben: sarkastisch und ekstatisch glühend.
Schnitzler war die bürgerliche Schutzschicht abgezogen, und man sah auf einmal einen Vorfahr des Patrick Bateman aus der verwöhnten New Yorker Isolierstation, dem Romanhelden in Bret Easton Ellis’ «American Psycho». Vienna Psycho.
Bei Anna Badora hatte Schlösser schon in Mainz als Regie-Assistent begonnen, um dann 1996 mit ihrem Wechsel an den Rhein u.a. mit Einar Schleef an dessen grandioser «Salome» mitzuarbeiten (später auch bei dessen Goldoni-Trilogie «Wilder Sommer» am Wiener Burgtheater). Schleef wurde das Vorbild: die Priorität des Kunstraums, das Absolute der Form, der ästhetische Rigorismus – das setzte den Maßstab. Das «Salome»-Team – ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Nachruf, Seite 52
von Andreas Wilink
Die Zukunft findet nicht statt. Jedenfalls nicht im Dresdner Elbtal. Zu dieser interessanten
Diagnose kommen gleich zwei Uraufführungen des dortigen Staatsschauspiels. Glaubt man, zunächst, Konstantin Küsperts Prognose vom «ende der menschheit», die Anton Kurt Krause dort im Kleinen Haus (mit einem vergleichsweise munteren Schauspielertrio) urinszeniert hat, wird...
Wilfried Schulz macht in der ersten Spielzeit seiner Düsseldorfer Intendanz deutlich, dass er die Diaspora-Situation des auf Ausweichspielstätten vertriebenen Schauspiels, die sich nun wohl über Jahre (mindestens bis 2020) hinziehen wird, nutzen will zur offensiven Verankerung in der Stadt. Alles will er – alle Stile, alle Publikumsschichten, alle Richtungen, alle...
Dieser Faust hat es in den Fingern, mit denen er in die Tasten greift. Der Wort- und Tatmensch als Pianisten-Nerd, so dass man den schlaksig-schlaffen Philipp Pleßmann anfangs für einen Adrian Leverkühn, einen ins Musikalisch-Dämonisch gewendeten Künstler halten könnte. Aber der zwölftönende Doktor Faustus würde sich kaum wie der Kölner Bühnen-Bruder, der an seinem...
