Nachhaltig mit Menschen umgehen
Seit Jahrhunderten verzichten Frauen*. Sie verzichten auf ihre Karrieren, auf ihr Essen, auf ihre Selbstbestimmung, ihr Geld, ihre Freiheiten, ihren Orgasmus. Sie verzichten, weil sie müssen, weil es ihnen von außen aufgetragen wird. Damit das Ungleichgewicht im Gleichgewicht bleibt. Damit das Patriarchat florieren und sich seine Säulen tiefer in die Erde reinbohren können, verzichten Frauen*, verzeihen Frauen*.
Sie konsumieren weniger Fleisch, fliegen seltener und gehen öfter protestieren – dass sich mehr Frauen* für das Klima engagieren und den Klimawandel seltener leugnen als Männer, ist statistisch längst bewiesen. Frauen* leisten unbezahlte Care-Arbeit zu Hause und am Arbeitsplatz.
Sehr gerne und gut verzichte ich auf Mansplaining und das gesamte Spektrum des patriarchalen Ver -haltens vor, auf und während der Probe. Ich verzichte auf die cisheteronormative Ordnung, die perpetuierend in meine Lebens- und Arbeitsweise intervenieren möchte. Ich verzichte auf die ganze Gewalt gegen alle Körper auf der Bühne – inszeniert oder strukturell bedingt. Nachhaltig mit Ressourcen umzugehen, heißt auch nachhaltig mit Menschen umzugehen, so haben Rassismus und Sexismus eine große ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 58
von Pinar Karabulut
Am Rad morgens an der Ampel, eng im Pulk der Wartenden, der Fußgänger, neben einer Frau, die ruhig und breit, und komplett a-rezeptiv da steht, nichts von dem bemerkt, was um sie herum vorgeht, denn natürlich hat sie ihre Welt abpanzernden Privatsendungsstöpsel im Ohr, hört nichts, merkt nichts, ist als Taube von sich selbst beschallt, ganz allein in ihrem...
Amit Jacobi
Wut, Schmerz und Gewalt
O you hochgeehrte beings der kontinentalen Intelligenz! Als Repräsentanten des sogenannten Körpers der sogenannten Nationaldichterin möchten wir uns erstmal bedanken! Thank you! Thank you für die Ehre, für die Anerkennung und ja, thank you für das Gold – we come in peace! Peace … Im Gegensatz zu dieser schönen Stunde der...
Derzeit steht sie in Stuttgart in Shakespeares «Der Sturm» auf der Bühne: als Miranda, Tochter des Prospero, neben André Jung. Camille Dombrowsky, 26 Jahre alt, spielt Miranda als selbstbewusste, schlagfertige, emanzipierte junge Frau. Natürlich reißt sie dem heißbegehrten jungen Prinzen Ferdinand die Kleidung vom Leib – und nicht umgekehrt. Dombrowsky hat sich...
