Mystische Weltmusik
Würde nicht André Szymanski diesen Jakob spielen und das mit einer so überzeugend lässigen Ernsthaftigkeit, mit einem so nachdenklichen, ruhigen Ton, dann wäre man am Ende etwas verstimmt. Denn an den Schluss ihrer Inszenierung der «Jakobsbücher» setzt Ewelina Marciniak einen Kommentar, der den titelgebenden Helden wohl auf den Boden der feministischen Tatsachen zurückholen soll. Bis dahin sind ihm schon Tausende gefolgt, haben in ihm einen Messias gesehen, einen Visionär. Bis dahin ist er aus Polen geflohen, hat die Religionen gewechselt wie manch anderer seine Socken.
Jetzt, am Ende seiner Reise, gibt Marciniak ihm Raum für ein Zwiegespräch mit seiner Tochter Ewa (Rosa Thormeyer). Er wünsche sich einen weiblichen Messias herbei, eine «Messiasin, heißt es so?», und will «ein neues Wort erschaffen, das zu einer neuen Welt passen wird». Zufrieden legt er dann den Kopf in Ewas Schoß, ihr platinblondes Haar schließt sich wie ein Vorhang um die beiden.
Am Schluss taucht es also noch auf, das Gender-Thema, der feministische Impact. Und man ist geneigt, diesem Jakob sein halblautes Sichselbst-Hinterfragen wohlwollend durchgehen zu lassen. Doch so ganz wird man das Gefühl nicht los, ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Katrin Ullmann
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