Wie Demokratie endet

In Köln reichert Ersan Mondtag Viscontis «Die Verdammten» mit deutschen Geister­gedanken an

Im Schauspiel muss man schauen, lange schauen. Leise rieselt der Schnee auf eine geborstene Villa. Käuzchen schreien, Wölfe heulen, es donnert in der Heimat hinter den Blitzen rot. Stumm stehen die Tannen herum. Eine Lawine hat den Konzertflügel unter sich begraben. Sieben Tote liegen starr im verharschten Firn. Spät kommt das Personal: ein weinendes Kind, eine greise Frau mit Jagdflinte, eine herrische Dame in Giftgrün, ein nervöser blaukarierter Herr, ein Mephisto in bösartig roter Lederjacke, ein glatzköpfiges pinkfarbenes Mann­monster, ein schwarzweißer, irrer Vampir.

Kein Wort, nichts geschieht. Bühnenbildner Ersan Mondtag und Kostümbildnerin Teresa Vergho stellen ihre Einfälle aus.

Das Bühnenbild als eigenständiges Werk, als optischer Dauerimpuls, als Grundierung, nicht als Spielraum für sprachlich vorangetriebene Handlung, sondern als permanentes Gegenbild zu dem, was vor ihm, in ihm verhandelt wird. Überdeutlichkeit mit Mehrdeutigkeit kombinierend, ein schauerromantischer Überwältigungsgestus, so sind Mondtags Bühnenbilder immer, oder wollen so sein. 

Damit ist aber auch der beste Teil des Abends vorbei. Was folgt, ist grellfarbige Bebilderung einer Familien-Saga vor ...

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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Gerhard Preußer