Kunst aus der Vogelperspektive

Caren Jeß «Bookpink»

Theater heute - Logo

Was haben ein Dreckspfau, ein Spatz, ein Bussard, eine Rauchschwalbe, ein Zilpzalp, eine Feldlerche, eine Krähe, vier unterschiedliche Arten Meisen, ein Flamingopärchen, eine Pute, ein Huhn & eine Henne, eine weiße Taube und natürlich der titelgebende Bookpink, plattdeutsch für Buchfink, gemeinsam? Sie sind menschlich, allzu menschlich. 

Caren Jeß’ federführendes Personal steckt fest in der eigenen Haut und gesellschaftlichen Schubladen.

Da wäre zum Beispiel bereits erwähnter Dreckspfau mit seinem harten Schicksal: Von der eigenen Mutter als Baby allein im Wald zurückgelassen, mit dreckverkrusteten Federn, unter denen sich nur noch mit viel Fantasie und noch besserem Willen hinten links ein Pfauenauge erahnen lässt. Rad schlagen? Geht nicht mit verklebten Federn. Eier legen? Ohne Liebe Fehlanzeige. Was bleibt einem dann noch als junger Pfau, wenn die beiden gesellschaftlich gewünschten Hauptjobs «Schmücken» und «Eierlegen» nicht realisierbar sind? Man macht die Schule nicht zu Ende. Man klaut Kippen bei Edeka. Man landet wegen Raubmord im Gefängnis. Und man hasst den kleinen hübschen Spatz, der immer im falschen Moment angeflogen kommt, von seiner Mutter schwärmt und davon, wie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 168
von Holger Schultze und Lene Grösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Pfahl in Draculas Brust

Torsten König war das Licht in all meinen Inszenierungen an der Volksbühne. Er ist in Warnemünde mit dem Fahrrad verunglückt, am helllichten Tage, niemand hat es gesehen und konnte bezeugen, was geschehen ist. So wie ich ihn bei der Arbeit gar nicht bemerkt habe. Er hat parallel zu unseren Proben geleuchtet. Es war so selbstverständlich und erstmal unauffällig....

Kein Kommentar

Immer wieder sehen wir das ernste, ruhige, nachdenkende und schelmische Gesicht von Cleo, das so viele Gefühle bewegt, die wir nicht lesen können. Sie ist das Kindermädchen im Haushalt einer privilegierten weißen Familie der Mittelschicht, die im behüteten Stadtteil Roma in Mexico City lebt. Cleo ist Mestizin und kommt aus dem Dorf Oaxoca. Sie bedient zusammen mit...

Der Wert der Wut

Ende der Vorstellung: Eine junge Frau verirrt sich in den leeren Theatersaal und trifft dort auf einen mittelalten Mann. Sie ist Autorin, er Regisseur. Doch davon wissen die beiden zunächst nichts. Wovon er dagegen schnell erfährt, ist ihre Wut. Denn diese ist immens. Sie ist wütend über den katastrophalen, leblosen Theaterabend, den sie erlebt hat. Sie ist wütend...