Kunst aus der Vogelperspektive
Was haben ein Dreckspfau, ein Spatz, ein Bussard, eine Rauchschwalbe, ein Zilpzalp, eine Feldlerche, eine Krähe, vier unterschiedliche Arten Meisen, ein Flamingopärchen, eine Pute, ein Huhn & eine Henne, eine weiße Taube und natürlich der titelgebende Bookpink, plattdeutsch für Buchfink, gemeinsam? Sie sind menschlich, allzu menschlich.
Caren Jeß’ federführendes Personal steckt fest in der eigenen Haut und gesellschaftlichen Schubladen.
Da wäre zum Beispiel bereits erwähnter Dreckspfau mit seinem harten Schicksal: Von der eigenen Mutter als Baby allein im Wald zurückgelassen, mit dreckverkrusteten Federn, unter denen sich nur noch mit viel Fantasie und noch besserem Willen hinten links ein Pfauenauge erahnen lässt. Rad schlagen? Geht nicht mit verklebten Federn. Eier legen? Ohne Liebe Fehlanzeige. Was bleibt einem dann noch als junger Pfau, wenn die beiden gesellschaftlich gewünschten Hauptjobs «Schmücken» und «Eierlegen» nicht realisierbar sind? Man macht die Schule nicht zu Ende. Man klaut Kippen bei Edeka. Man landet wegen Raubmord im Gefängnis. Und man hasst den kleinen hübschen Spatz, der immer im falschen Moment angeflogen kommt, von seiner Mutter schwärmt und davon, wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 168
von Holger Schultze und Lene Grösch
1815 bricht auf der indonesischen Insel Sumbawa der Stratovulkan Tambora aus. Mit einer so gewaltigen Intensität kehrt die Erde ihr Innerstes nach außen, dass das ausgestoßene Material zu weitreichenden Wetterveränderungen in Nordamerika und Europa führt. Die vulkanische Asche verdunkelt den Himmel, und das Jahr 1816 geht als «Jahr ohne Sommer» in die Geschichte...
Wer nichts über die Sozialstruktur der Ameisen weiß, hält möglicherweise auch die Dramatiker*innen des Absurden Theaters für unpolitisch. Über solch einen gedanklichen Konnex könnte vielleicht auch Miroslava Svolikova spekulieren. Sie beschäftigt sich mit Ameisen und ist eine Autorin, der wahrlich nicht vorzuwerfen ist, dass sie die Verbindungen zwischen der...
Wir wurden im Frühjahr 2019 vom leitenden Dramaturgen Daniel Richter angefragt, ob wir die zehn Inszenierungen des diesjährigen Theatertreffens sehen und auf die Frage hin einschätzen wollen, wie männlich das Theatertreffen sei. Als Theaterwissenschaftlerinnen und Geschlechterforscherinnen nahmen wir uns dieser Aufgabe sehr gern an – und hier sind nun unsere...
