Kritik: Die große Welle

Der englische Kritiker Quentin Letts, das konservative Theatergeschütz der «Daily Mail», hat sich mit einem rassistischen Ausfall ins Abseits geschrieben

Dem englischen Kritiker Quentin Letts sind Kontroversen nicht fremd. Für die meisten Insel-Schauspieler ist eine schlechte Kritik dieses bösen kleinen Manns ein Ritterschlag. Die «Times» schrieb, seine regelmäßigen Angriffe seien «hysterisch und würden die Verleumdungsgesetze bis an ihre Grenzen ausreizen». Doch seine aktuelle «Daily Mail»-Kritik der Royal Shakespeare Company Produktion «The Fantastic Follies of Mrs Rich» sorgt für Debatten, die selbst für Lettsche Verhältnisse außergewöhnlich hitzig sind.

Warum? 

Der Grund sind diese Zeilen: «Der arme Leo Wringer ist fehlbesetzt als der alte Clerimont. Er ist unglaubwürdig als trompetender Großkotz der Art, die seit Jahrhunderten die schlammi­geren Gründe der englischen Grafschaften verseucht. Er ist zu kühl, zu reif, nicht kinnlos oder bekloppt oder witzig genug.» So weit seine ihm natürlich freigestellte Meinung zu Schauspieler und Rolle. Doch dann kommt’s: «Wurde Herr Wringer besetzt, weil er schwarz ist? Wenn ja, dann hat der ungeschickte Umgang der RSC mit politisch korrektem Casting einmal mehr ihr Bühnenprodukt geschwächt. Ich nehme an, die Manager sind unter Druck vom Arts Council, die Diversitätskästchen anzukreuzen, ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Patricia Benecke