Komm auf den Elfenrave
Da teilen sie die Massen, gekommen zu Hunderten zum Rave in die Jahrhunderthalle. In jener lässigen, unaufgeregten, königlichen Nacktheit, nur Sicherungsgürtel um die Taille, schreiten Florentina Holzinger und zwei ihrer Performerinnen zum riesenhaften Weihrauchpendel, das über der Tanzfläche sakrale Aromen verströmt. Die eine sichert von unten, die anderen klettern hoch, schmiegen sich fest an das Gefäß, schaukeln sich zu zweit in Höhen, lehnen sich ekstatisch nach hinten, schwingen im Gleichklang.
Und lassen sich elegant und graziös wieder nach unten gleiten, um erhaben zu verschwinden. Sie überlassen den Dancefloor dem Partyvolk: Nebel zischt ein, Bässe wummern gegen die Bauchdecke, quallenartige Meeres -wesen winden sich auf Videoleinwänden.
Holzinger hat zum Rave auf der Ruhrtriennale geladen – und untersucht mit dem Essener Kollektiv The Third Room, wie sich sakrale Räume neu gestalten lassen. Nur ein Bruchteil der Eintrittskarten wurden hier an landläufiges Theaterpublikum vergeben, aber doch passt irgendwie alles zusammen, die knapp bekleideten, glitzernden, bestimmt bedröhnten Feierwesen zu eher älteren Ruhrtriennale-Besuchern. Meditativ konnte man sich erstmal zu Cello- ...
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Theater heute November 2023
Rubrik: Festivals, Seite 30
von Dorothea Marcus
Wenn die beiden Diener mit den Wischmopps vorbeikommen und Bodenreinigung vortäuschen, wird’s hochgefährlich. Buckingham (stoisch kaugummikauend: Lukas Holzhausen) und Catesby (extralange Leitung: Cino Djavid) scheitern zwar regelmäßig fast an sich selbst, an ihrer schildkrötenhaften Restintel -ligenz und ihrem slapsticktauglichen Ungeschick, aber irgendwann...
Mancher sitzt der Schalk im Nacken. Selbst im höheren Alter noch. Ginka Steinwachs zum Beispiel: Sie hat an einem Tisch im Ballhaus Ost Platz genommen, um einen «Poetikimpuls» zu platzieren, und also wirft sie, eher locker als impulsiv, immer wieder einen Ball ins Publikum. Weil dies ja schließlich ein «Ball-haus» sei. Wir, die Zuschauer, bringen ihn wie ihre...
Sage niemand, dass Regisseurin Rahel Hofbauer die Zuschauer:innen im Regen stehenlassen würde. Guido Gallmann schlendert auf die Bühne, guckt erstmal, dann spricht er ins Publikum: ein bisschen Figurencharakterisierung, ein bisschen Backstory, ein bisschen Aufführungsgeschichte, ein bisschen Quelleninfo. Auf dass alle verstehen, um was es in «Emilia Galotti» geht....
