Jetzt mal ernsthaft
Die Menschen sind schlecht, und die Welt ist am Arsch», singt der Sänger Kummer in «Der letzte Song». Es geht darin um die Musik an sich, die in dieser Welt Trost spenden könnte. Um einen Künstler, der gern sagen würde, «das System ist defekt, die Gesellschaft versagt / aber alles wird gut». Es gelingt ihm nicht. Er kann immer nur sagen, was ist, und dass das, was da ist, ganz und gar nicht gut ist: «Gib mir eine Strophe, und die gute Stimmung kippt.
» Dieser Kapitulationssong hat einen seltsamen Effekt: Ausgerechnet in seiner traurigen, fassungslosen Ehrlichkeit entsteht etwas merkwürdig Tröstliches.
Keine Ahnung, ob am Schauspielhaus Bochum irgendjemand Kummer hört, das Soloprojekt von Kraftclub-Sänger Felix Kummer. Darum geht es ja auch nicht. Es geht darum, dass dort regelmäßig Theatermomente aufflackern, die so oder so ähnlich funktionieren wie dieser Song. Weil sie beim Publikum irgendetwas zwischen klug und tröstlich, zwischen Gefühl und Erkenntnis auslösen, das sich einbrennt. Vielleicht ist es die Ernsthaftigkeit, mit der die Kunst – hier wie dort – ihre Position in besagter Welt be- und hinterfragt.
Ernsthaftigkeit, nicht Ernst! Dafür gibt es in Bochum bei aller analyti ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 108
von Cornelia Fiedler
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