Im Prozess der Sprache

Ulrich Rasche im Gespräch über den Einfluss von Einar Schleef, die Kraft des Chores, Faschismus-Vorwürfe und Wider­sprüche, in die man sich begeben sollte

Corinne Orlowski Wie sind Sie mit Schleef in Berührung gekommen?

Ulrich Rasche Ich habe viele Inszenierungen von Schleef gesehen: «Wessis in Weimar» am Berliner Ensemble, «Salome» in Düsseldorf, das «Sportstück» und «Verratenes Volk» in Berlin; aber auch die anderen Inszenierungen kenne ich aus dem Archiv über Susan Todd. Und ich habe Schleef einmal persönlich getroffen, Edith Clever hatte sich für mich eingesetzt. Wir trafen uns in der Kantine vom Deutschen Theater, ich wollte als Hospitant bei «Verratenes Volk» mitarbeiten.

Es hat leider nicht geklappt. Es war nicht einfach, sein Vertrauen zu gewinnen.

CO Was fasziniert Sie an der Arbeit von Schleef?

Rasche Mich fasziniert seine Art, Texte zu verstehen, Schauspielerinnen und Schauspieler als Gruppen und Individuen auf der Bühne zu choreografieren. Sein Theater empfand ich als gegensätzlich zu allen Handschriften, die ich vom Schauspiel aus Westdeutschland kannte, wo die Motivation für die Bewegung einer Figur vor allem über die Situation oder die Psychologie des Einzelnen gesucht wurde. In Schleefs Insze­nierungen gab es ein geradezu architektonisches Verständnis von Sprache, vermittels dessen die Spannungsverhältnisse im Raum ...

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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 44
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