Ins Bild setzen
Sie hat durchgehalten, und es kann nicht einfach gewesen sein: Vom 9. März bis zum 31. Mai dieses Jahres saß die Performancekünstlerin Marina Abramovic im Museum of Mo-dern Art in New York täglich während der Öffnungszeiten des Museums sieben Stunden ohne Unterbrechung auf einem einfachen Holzstuhl, sechs Tage die Woche, schweigend. Ein Exerzitium als sprichwörtliche Begleiterscheinung zu ihrer Retrospektive «The Artist Is Present».
Wenn das Publikum ab halb elf das monumentale Atrium im zweiten Stock des Neubaus betrat, saß Abramovic bereits im überlangen roten Kleid, die schwarzen Haare nach links in einem Zopf über die Schulter nach vorn gelegt, die Hände in den Schoß gefaltet. Es gab keinen Auftritt in ihr am Boden abgeklebtes Geviert, keinen Abtritt, keinen Applaus. Und das Geschehen oder besser Nichtgeschehen wurde über die Web-Site des Museums von einer starren Kamera täglich live übertragen. Vor ihr standen ein einfacher Tisch und ein zweiter Stuhl. Der Reihe nach war man eingeladen, sich ihr gegenüber zu setzen, so lange man wollte, so lange man konnte. Manche ertrugen es nur wenige Minuten, einer am fünften Tag die ganzen sieben Stunden lang. Jeder wird in einem ...
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