Im Zweifel für den Zweifel

Ingeborg Bachmanns «Malina» und Thomas Melles «Ode» am Schauspiel Frankfurt

Theater heute - Logo

Was die Kunst, was das Theater kann und soll – die Fragen scheinen nach der Pandemie einerseits beantwortet: den Blick weiten, uns unserem Alltag und seinen immergleichen Problemen entreißen, um uns mit den Fragen anderer Menschen konfrontieren, mit ihrem Wünschen und ihrem Begehren, nachdrücklich, ästhetisch herausfordernd. In einem festgelegten Zeitraum, den ich mit anderen Menschen teile, wenn zurzeit auch denkbar undionysisch distanziert und maskiert, anwesend und abwesend zugleich. Fraglos fehlte all dies in den Monaten harter und weicher Lockdowns.

 

Und dennoch: Nach den gravierenden politischen und sozialen Problemen, auf die die Pandemie uns nun seit fast anderthalb Jahren ununterbrochen hinweist, all die vorhandenen Schieflagen, die sie gnadenlos markiert – von der internationalen Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Sauerstoff wie Impfstoffen bis zur erhöhten Sterblichkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen auch in den Industrienationen –, da muss das Theater nun halt auch erstmal mit. Das steht nun alles im Raum, da kann man schwer zurück zum Kanon, als sei nichts gewesen.

Am Schauspiel Frankfurt gelingt der analoge Neustart in dieser Hinsicht durchaus: Mit Ingeborg ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Esther Boldt

Weitere Beiträge
Der Schlaf der Vernunft

Und es ward Nacht. Siebeneinhalb Stunden lang. So wollte es Sebastian Hartmann. Am Staatsschauspiel Dresden hat er mit «Das Buch der Unruhe» so etwas wie den ultimativen Live-Stream aufgelegt. Lange Inszenierungen sind ja nichts Neues im deutschen Theater selbst in seiner digitalen Variante, man denke nur an das letzte Theatertreffen, wo gleich zwei dieser...

Körper und Worte

«Alles ist vorbereitet für die Gentrifizierung, für den Aufschwung – nur die Protagonisten fehlen» – so beschrieb die in Gelsenkirchen aufgewachsene Theater- und Essayautorin Enis Maci in ihrer Eröffnungsrede die Lage des Ruhrgebiets. An diesem Widerspruch arbeiten sich die Ruhrfestspiele genauso wie die Ruhrtriennale ab: ein Programm für das gegenwärtige Publikum...

Festival 1: Double Feature

Neun Tage Festival, ein Dutzend Hochschulen, 23 Produktionen: «So viel junges Theater gab es beim Körber Studio noch nie», beschreibt Thalia-Intendant Joachim Lux die Ausgabe des diesjährigen Festivals «Körber Studio Junge Regie». Was euphemistisch nach Rekorden klingt, ist natürlich eine bittere Folge der Pandemie-bedingten Theaterschließungen. Entsprechend musste...