Im Setzkasten
Weder Seelenfrieden-Tee noch Putztherapie: Diesem Mann (Philippe Goos) ist nicht zu helfen. Er ist ein hektischer Hysteriker, ein dauernervöser Hypochonder, eine Drama-Queen, ein Herzinfarkt-Kandidat, eine Heulsuse. Er ist «Der eingebildete Kranke» aus Martin Heckmanns Molière-Überschreibung. Anne Lenk inszeniert das Stück – wie auch ihre zum Theatertreffen 2021 eingeladene «Maria Stuart» – in einer Setzkastenbühne von Judith Oswald.
Zwei kaum Garagen-große Kästen stehen da jeweils nebenund übereinander, allesamt in kränkelndem Krankenhauspastell gehalten und von kaltem Deckenlicht beleuchtet.
Der eine Raum scheint für Trockeneis-Anwendungen gut, der nächste – mit einem dreifachen Matratzenstapel – für superweichen Prinzessinnenschlaf, der dritte – ein Zen-Garten mit unförmigen Steinen – zum Sinn-Spüren. Und der vierte mag mittels eines davor montierten Vergrößerungsglases auch das kleinste Wehwehchen sichtbar werden lassen. All diese Räume sollen womöglich nicht nur das Haus, sondern auch den Zustand ihres Bewohners zeigen. Sie sollen vom wehleidigen (Welt-)Schmerz eines Privilegierten erzählen und diesen in seiner unfreiwilligen Komik kästchenweise zur Schau stellen.
«Der ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Katrin Ullmann
Immer wieder liegt derselbe Stolperstein im Weg, Skepsis und Zweifel beunruhigen, verunsichern und hemmen immer wieder neu. «Warum ich?», fragt sich Anja Herden jetzt, wo sie erzählen soll von sich selbst. «Bin wirklich ich gemeint?» Oder geht es wieder um den «Diskurs», zu dem sie nun mal gehört und für dessen Beglaubigung sie womöglich gerade herhalten soll....
Schwarze, geschlechtsneutrale Gewänder in nebeldüsterem, schwarzem Bühnenraum; nur ein dünner blauer Neonkreis – ein schmaler Sonnenrest? – hängt über der Bühne. Tastende Schritte einer eng zusammengedrängten Menschengruppe, die langsam, mit großen Pausen einzelne Wörter hervorstößt, von Mikroports hallig verstärkt. Irgendwann schleicht sich ein tiefes Brummen in...
Als ich vor neun Jahren nach Berlin kam, hieß eine der ersten Empfehlungen: «Du musst das k-fetisch auschecken.» Auf der Internetseite des k-fetisch schreiben die Mitglieder des Kollektivs: «Wir alle teilen einen feministischen und anti-rassistischen Grundkonsens. Unsere diversen politischen Überzeugungen sind in diesen Laden geflossen und werden auch immer mal...
