Glotzt nicht so romantisch!
Erstmal bleibt alles dunkel. Wer nach sieben Monaten Lockdown möglichst ein paar Schauspieler live sehen will, muss sich noch 20 Minuten gedulden. Bühne und Zuschauerraum sind rabenschwarz. Nur Stimmen: Mal mehr von vorne oder hinten, mal von links oder rechts. Verschiedene Sprecher, wiederkehrende und einmalige, bekannte und unbekannte. War das nicht ein Schnipsel von Sebastian Kurz? Winfried Kretschmann? Angela Merkel? Dann wieder anonymes Reden mit Hall oder in Schleife: Meinungen, Aussagen, Fragen, Behauptungen, Theorien, Fetzen.
Wenn das Licht schließlich langsam aufblendet nach dem Audio-Intro, ist man bereits tief eingehört im Titelversprechen in Elfriede Jelineks neuem Stück: im «Lärm». Im «blinden Sehen». Und, wer weiß, vielleicht werden am Ende sogar ein paar «Blinde sehen!».
Im Hörspiel-Auftakt steckt noch ein zweites Intro: Das Autorinnen-Ich deckt gleich zu Anfang seine Karten auf. Sie könne «nichts erklären, was nicht andre schon erklärt haben», sie könne nur «nachreden»: «Ich drehe das Licht an, schlage die Zeitung auf und schreibe sie ab.» Sie lasse sich von Partikeln treffen und anregen, sie sei ein «Teilchenbeschleuniger». Manchmal schreibe sie allerdings auch ...
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Theater heute August/September 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
always try to be nice
but never fail to be kind
haus arbeiten
tommi wippel, drittschlechtester schüler der juppi-meier-schule klasse 7b, war nervös.
Beerbauch wippel!
er hatte zwar diesmal seine hausarbeiten gemacht, ehrlich, hochundheilig versprochen und wird auch nicht gebrochen, aber der lehrer dr. beerbauch machte sich einen heidenspaß und ein persönliches...
1.
Hören Sie mir beim Nachreden zu. Ich kann mir nichts erklären, was nicht andre schon erklärt haben. Ich kann kein Verhalten zeigen, aus dem man etwas erkennen könnte. Sie werden nie entscheiden können, was ich ursprünglich geschöpft, erfahren, errungen habe und was abgeschrieben und nachgeredet ist. Ich drehe das Licht an, schlage die Zeitung auf und schreibe...
Es ist ein Fake, der Unterdrückungsgeschichte gemacht hat: das Hymen, auch «Jungfernhäutchen». Teresa Vittucci, gehüllt in einen neonorange leuchtenden Hauch von Nichts, widmet der lügenumwobenen vaginalen Korona eine schlagfertige Tanz- und Lecture-Performance: «Hate me, tender. Solo for Future Feminism» ist eine von nur drei Produktionen innerhalb des...
