Geschichte und Ökologie

Das Kunstfest Weimar startet in diesem Jahr mit einem grotesken Diktator und einer Sehnsucht nach dem Baum: Robert Wilsons «Ubu» und Theresia Walsers «Eschenliebe»

Aufgestapelte Steine, verschnürt mit weißen Banderolen, sind auf dem großen Theaterplatz rund um die berühmte Goethe-Schiller-Statue verteilt; dazwischen stehen in weißer Farbe handschriftlich Namen, viele davon mit jüdischem Klang. Sie können mit einem Megafon am Pult mit den entsprechenden Lebensdaten vorgelesen werden. Der bildende Künstler Günther Uecker hat zur diesjährigen Ausgabe des Kunstfestes sein «Steinmal» neu inszeniert. Vor 25 Jahren war es in der Häftlingskantine der Gedenkstätte in Buchenwald zu sehen, jetzt direkt im Herzen der Stadt.

Ein wenig altbacken kommt es mittlerweile daher, auch wenn es natürlich an inhaltlicher Aktualität – gerade in Thüringen – nichts eingebüßt hat. Uecker selbst ist mittlerweile 93 Jahre alt, ein künstlerisches Urgestein.

Auch die Theaterlinie des Festivals wurde von einem Altmeister eröffnet. Robert Wilson, 81 Jahre alt, präsentiert hier seinen «Ubu» im E-Werk Weimar, eine deutsch-spanische Koproduktion mit dem Festival Grec in Barcelona und dem Museum für zeitgenössische Kunst Es Baluard in Palma de Mallorca, wo auch die Uraufführung stattfand. Dieser spanische Hintergrund ist dabei mehr als nur eine Fußnote. Wilson setzt seinen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Festivals, Seite 32
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Schnittpunkte von Raum und Zeit

Am 11. Juli dieses Jahres starb der 1949 im Berliner Osten geborene, durch die produktive Zusammenarbeit mit Heiner Müller bekannt gewordene Maler-Bühnenbildner Hans-J. Schlieker, der alles Sehbare sehen, alles Einsehbare vergessen und nur Künstler sein wollte. Interessiert nur an dem, was ist, jenseits von Begriffen und Beschreibung. Er hielt Kunst als Tätigkeit...

Das Anthropophagische Theater

Plötzlich stand da ein Bild von ihm an einer der belebtesten Straßenkreuzungen im Zentrum von Sao Paulo: als Plakatwand der Erinnerung. Und an einem der Wohnhäuser hing über viele Stockwerke ein Banner herab – «Obrigado Zé Celso!» stand darauf, als Dank für das Theaterleben, das da gerade zu Ende gegangen war. Zé Celso Martinez Correa, geboren am 30. Juli 1937 in...

Im Perspektivwechsel

Zuletzt sahen wir uns vor sechs Jahren auf dem Markplatz von Altenburg in Thüringen. Bernhard Stengele war hier damals noch Schauspieldirektor der Städtischen Bühne im Verbund mit dem Theater in Gera. Er kam mit einer Baskenmütze und knallroten Schuhen, ein Künstler, der auffiel in dem kleinen Ort mit der riesigen Kirche. Und er kam, um seinen Abschied zu...