Geister der Vergangenheit
Kleines viktorianisches Häuschen auf der Anhöhe, steile Anfahrt, rechts eine weiß gestrichene Bretterbude. Die Adresse kommt einem doch irgendwie bekannt vor.
Ist das etwa «Psycho»? Der Hitchcock-Klassiker mit dem mörderischen Norman Bates, dem seine enge Mutterbindung eine heftige schizoide Störung eingetragen hat? Gleich darauf versammelt sich eine fackelschwingende Kuttenhorde vor dem Brettermotel und erzählt die Vorgeschichte von «König Ödipus» als schwarze Messe: Laios Entführung des Pelops-Sohns und der Fluch, der auf ihm liegt, und eine Generation später zu Inzest, Selbstmord und Tragödie führt. Amerikanische Rassisten entern die griechische Tragödie?
Er habe noch nie eine interessante Inszenierung eines antiken Textes gesehen, meinte Ersan Mondtag in der «Berliner Zeitung» gewohnt unbescheiden vor der Premiere. Seine «Antigone und Ödipus» startet steil mit einem kleinen Referenzgewitter von Mord, Mutterfixierung, Ku-Klux-Klan. Davor hatte noch ein selbstgedichteter Dialog zwischen Yousef Sweid und Orit Nahmias neben der schauspielerrelevanten Frage, wer Eteokles und Polyneikes spielen darf, gleich noch ein paar zeitnahe Großkonfliktherde aufgerufen zwischen Nahost, ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Franz Wille
Theater Heute
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Nach zwei Stunden und 50 Minuten erreicht diese letzte Inszenierung von Frank Castorf als Intendant der Volksbühne ihren Give-the-people-what-they-want-Gipfel – geizig war sie mit Höhepunkten schon vorher nicht gewesen. Und wir, the people (as in Volksbühne), sind begeistert. Magie und Plötzlichkeit, funky Bläserfanfaren, Hedonismus und Hexerei und viel...
War-te, war-te, nur ein Weil-chen», abgehackt und kindlich streng schallt die Mädchenstimme durchs Dunkel. Ein unschuldiger kleiner Abzählreim, ginge es darin nicht um einen realen Kindermörder. Es sind die ersten Sekunden von Fritz Langs epochemachendem Krimithriller «M». Die Achtjährige, die hier, umringt von anderen Kindern, mit ausgestrecktem Arm Schicksal...
