Fragen der Kunst
Winterreise, Maxim Gorki Theater: 9., 17. Juni; Verräter, Maxim Gorki Theater: 17., 28. Juni; www.gorki.de
Kein Flüchtling, der ein Künstler ist, möchte Flüchtlingskunst machen. Wer will schon das ewige Berufsopfer geben, eingekeilt zwischen herablassendem Mitleid und wohlwollendem Auftrag? Dass solche Konstellationen, auch wenn sie noch so nett gemeint sind, nur scheitern können, dafür mehren sich mittlerweile die Beispiele. Das hochreflektiert diskursfitte Gorki Theater versucht nun, das Dilemma mit einem kleinen Trick zu umgehen.
Sein «Exil Ensemble», sieben Theaterleute aus Syrien, Palästina und Afghanistan, die gezwungen sind, im deutschen Exil zu leben, werden frei nach Franz Schubert auf eine «Winterreise» geschickt, um herauszufinden, was deutsch sei: Flüchtlingskunst ist sich nicht selbst genug, sondern recherchiert die neue Heimat.
Was ist deutsch? Die Antwort auf diese Frage erzählt regelmäßig mehr über den, der sie stellt, als über ihren angeblichen Gegenstand. Schon Kant ist in diese Falle getappt. Ein «Hang zur Ordnung und Regel» solle dem Deutschen innewohnen, was man gut verstehen kann bei einem Philosophen, der sich in vorbildlicher logischer Ordnung millimeterweise von Schlussfolgerung zu Schlussfolgerung vorgearbeitet hat. Herfried Münkler untersuchte «Deutsche ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Franz Wille
Schade eigentlich, dass Heiner Müller und Miranda July sich nie begegnet sind. Ob sich der ostdeutsche Intellektuelle, gegerbt von den totalitären Erfahrungen des 20. Jahrhunderts (sowie von Whiskey und Zigarren), und die US-amerikanische Künstlerin, die den menschenfreundlichen Hippie-Charme kalifornischer Esoterik versprüht, irgendetwas zu sagen gehabt hätten?...
In Ungarn macht die Künstler-Spaßpartei «Der zweischwänzige Hund» Propaganda für Putin und fordert zwei Orbans! Außerdem verlangt sie die Einführung des Rubels statt des Euro und mehr Stadien statt Krankenhäuser.
Elf Jahre sind genug: Barbara Mundel verabschiedet sich als Generalintendantin. Bilanzen aus Freiburg, Frankfurt und Altenburg-Gera.
Als 2016 in Wien...
Ein junges Paar mit einem drei Monate alten Kind in einer auf Kredit gekauften Wohnung. Nur unregelmäßige Einkünfte. Vor der Tür der Geldeintreiber. Draußen im Baum ein so herz- wie nervenzerreißend miauendes Kätzchen. Eine Mutter, die den vielleicht rettenden Verkauf der Datsche torpediert. Stau auf dem Weg zum letztmöglichen Zahlungstermin bei der Bank....
