Forschende Gesten

Der Sammelband «Gestische Forschung» nähert sich der Geste in multidisziplinärer Perspektive

Die Geste ist eines der zentralen Elemente des Theaters überhaupt und steht regelmäßig im Fokus von theatertheoretischen Betrachtungen. Schon die griechische Rhetorik fragte auch nach der Geste des Sprechers, um seine Aussagen zu verstärken, und in der Renaissance kamen Gestentafeln auf, die regelten, wie was auszudrücken war.

Letzteres ist vor allem der Zeichenlehre, also der Semiotik zuzuschlagen, ein Interpretationsansatz, der in der zeitgenössischen Theaterwissenschaft mit seinem Fokus auf Performanz und Postdramatik im Zuge der allgegenwärtigen Krise der Repräsentation keine Prominenz mehr einnimmt. Was also bleibt von der Geste, wenn nicht ihre inhaltliche klar umrissene Bedeutung? 

Dieser Frage nähern sich Veronica Darian, Junior-Professorin am Institut für Theaterwissenschaft in Leipzig, und Peer de Smit, Professor emeritus und Leiter des Instituts EchoRaum an der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg, mit ihrem Band «Gestische Forschung. Praxis und Perspektiven». Das im Neofelis Verlag erschienene Sammelwerk vereint Positionen verschiedenster Disziplinen – die Beiträge beleuchten Theater, Tanz, Objekttheater, Architektur, Literatur und Mode –, die sich am Problem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Kino im Schrumpfformat

Im letzten Jahr hatten sie es noch haarscharf geschafft: Knapp bevor die erste Welle der Pandemie sämtliche kulturellen Aktivitäten hinwegspülte, ging Carlo Chatrians und Marietta Rissenbeeks erste Berlinale mit allem Drum und Dran über die Live-Bühne, deutlich zurückhaltender und ästhetisch herausfordernder allerdings, als man es von Vorgänger Dieter Kosslick...

Das letzte Fensterl

Stephen Parker, der englische Literaturkritiker und kürzlich emeritierte Germanist an der Cardiff University, Verfasser einer kompetenten und gut lesbaren, 2018 auch in deutscher Übersetzung erschienenen Brecht-Biografie, hat jetzt im Wallstein Verlag das auf Französisch in Kalifornien verfasste so genannte «Journal amoureux» von Friedrich Wilhelm Wedekind...

#runtervonderpalme

«Jetzt ist schon wieder was passiert» – mit diesem mürrischen Satz leitet Wolf Haas seine Krimis ein, in denen ein in seiner Gemütlichkeit unfein gestörter Kommissar Brenner den blutigsten Verbrechen nachforscht. Brenner, schon der Name ist ein Witz, recherchiert mit einer Mischung aus Milieunähe, Faulheit und irgendwann dann doch noch einsetzender professioneller...