Forschende Gesten
Die Geste ist eines der zentralen Elemente des Theaters überhaupt und steht regelmäßig im Fokus von theatertheoretischen Betrachtungen. Schon die griechische Rhetorik fragte auch nach der Geste des Sprechers, um seine Aussagen zu verstärken, und in der Renaissance kamen Gestentafeln auf, die regelten, wie was auszudrücken war.
Letzteres ist vor allem der Zeichenlehre, also der Semiotik zuzuschlagen, ein Interpretationsansatz, der in der zeitgenössischen Theaterwissenschaft mit seinem Fokus auf Performanz und Postdramatik im Zuge der allgegenwärtigen Krise der Repräsentation keine Prominenz mehr einnimmt. Was also bleibt von der Geste, wenn nicht ihre inhaltliche klar umrissene Bedeutung?
Dieser Frage nähern sich Veronica Darian, Junior-Professorin am Institut für Theaterwissenschaft in Leipzig, und Peer de Smit, Professor emeritus und Leiter des Instituts EchoRaum an der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg, mit ihrem Band «Gestische Forschung. Praxis und Perspektiven». Das im Neofelis Verlag erschienene Sammelwerk vereint Positionen verschiedenster Disziplinen – die Beiträge beleuchten Theater, Tanz, Objekttheater, Architektur, Literatur und Mode –, die sich am Problem ...
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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Torben Ibs
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