Fliegende Holländerinnen

Große Erzählungen in Hannover: Armin Petras inszeniert im Schauspielhaus Ella Hicksons «Öl der Erde», Stephan Kimmig im Ballhof Kleists «Amphitryon»

Klarer kann man eine Handlung nicht zeitlich und örtlich fixieren: «Cornwall, 1889» stellt eine Einblendung zu Beginn von Ella Hicksons «Öl der Erde» am Schauspiel Hannover klar, dabei wäre diese Eindeutigkeit gar nicht nötig. Weil nämlich Armin Petras die Szenerie genauso zeigt, wie sich jemand Cornwall Ende des 19. Jahrhunderts vorstellt, der im Grunde keine Ahnung von den echten Umständen dieser Zeit hat: Das Klima ist rau, die Menschen sind kalt.

Die junge May hat hier in eine Bauernfamilie eingeheiratet und erwartet ein Kind, das die Verwandtschaft nicht ohne Grund als Essenskonkurrenten fürchtet. Aber wahrscheinlich kommt May ohnehin nicht durch den Winter – das Feuerholz ist knapp.

Petras erzählt diese Armutshölle als ultrarealistischen Livefilm, mit einer vibrierenden Kamera (Tobias Haupt), die ununterbrochen zwischen Ofen, Waschzuber und missgünstiger Familie hin- und herfiebert. Einmal wird ein Fasan ausgenommen, und der Blick fährt tief in die Eingeweide; es ist sinnlich und eklig, aber es ist auch ein Klischee. Die Inszenierung zeichnet keine Figuren, sie kleckst mit grobem Pinsel ein paar Hinweise hin, wie schwer und unmenschlich das Leben doch ist, aber immerhin: Die ...

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Theater heute August/September 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Falk Schreiber

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Es ist ein Fake, der Unterdrückungsgeschichte gemacht hat: das Hymen, auch «Jungfernhäutchen». Teresa Vittucci, gehüllt in einen neonorange leuchtenden Hauch von Nichts, widmet der lügenumwobenen vaginalen Korona eine schlagfertige Tanz- und Lecture-Performance: «Hate me, tender. Solo for Future Feminism» ist eine von nur drei Produktionen innerhalb des...