Festival: Hand vors Auge!
Wir lernen Bilder lesen. Was meinen die kämpferischen jungen Frauen aus Chile, was die Performance-Dokumentaristen, die vom Kampf des indigenen Mapuche-Volks im Grenzgebiet zu Argentinien erzählen, wenn sie im Schlussbeifall eine Hand vor ein Auge legen? Im Internet der Netzwerke ist die Geste ein bisschen bekannt, auf den Bühnen des Heidelberger Theaters wird sie es nach einigen Tagen.
Sie erinnert an die vielen Opfer der Demonstrationen in Chile seit Oktober vorigen Jahres, denen beim millionenfachen Protest gegen die autoritäre Regierung des Präsidenten Pinera mit Tränengas-Granaten und noch schlimmeren Waffen von Polizisten und Militärs Augen weggeschossen wurden. Wer sich erinnern mag – vor langer Zeit in Genua, beim Protest gegen die Gipfeltreffen der wirtschaftlich potentesten G-7-Nationen, hielten Demonstrantinnen und Demonstranten weißgemalte Hände zu Tausenden in die Kameras der Weltpresse – die chilenische Hand vor dem Auge hat noch dramatischere Wucht.
«Paisajes para nao colorear», Marco Layeras viel gereistes Stück der neun jungen Widerständlerinnen aus Chile (es war zuletzt auch in Berlin sowie gerade in München und Frankfurt zu sehen) ist ein Beispiel für die «Kunst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn es nach Thomas Piketty ginge, ließe die Welt sich durchaus retten vor Umweltzerstörung, Klimakatastrophe, Massenverarmung. Eine simple progressive Eigentumssteuer könnte sowohl ein Grundeinkommen für alle Bürgerinnen, eine Kapitalstarthilfe für jeden Berufsanfänger als auch die Umstellung auf ein ökologisches Wirtschaften finanzieren, behauptet der...
Die Beziehung hat sich aufgewärmt. Seit zehn Jahren feiert Augsburg seinen unbequemen Sohn Bertolt Brecht, meist mit künstlerischer Unterstützung aus Berlin. Nach Patrick Wengenroth, der das Brechtfestival von 2017 bis 2019 kuratierte und für neue Spielformen öffnete, haben heuer Jürgen Kuttner und Tom Kühnel die Leitung übernommen und neben anderem gleich einmal...
Susanne Sachsse ist irgendwie der Star des Abends: Mit ihrer Paraphrase des schwarzpädagogisch-klassischen Grimmschen Märchens vom eigensinnigen Kind, das seiner Mutter nicht gehorchte und daher auch dem Herrgott nicht gefiel, der es sterben ließ und das nach der Beerdigung immer wieder ein Ärmchen aus dem Grab reckt, als hätte es ihm Stephen King vorgesungen,...
