Festival: Das rote Huhn und die Revolte
Wir wissen wirklich wenig; wie stark sich die Annäherung zwischen den Kontinenten mittlerweile auch entwickelt haben mag. Wenn dann aber auf Festivals hierzulande Theatersprachen und Inszenierungsstile ins Blick- und Hör-Feld geraten, die nicht unübersehbar in näherer Nachbarschaft stehen, stellt sich die Frage immer wieder neu: nach dem Fremden und nach dem Vertrauten. Der örtliche Echoraum einer Stadt kommt verstärkend hinzu.
Wie geht das Theater um mit extrem autoritären, radikal neoliberal und tendenziell extrem kulturfeindlich orientierten Polit-Strukturen, wie mit Systemen, deren demokratische Strukturen gerade wieder massiv in Frage gestellt werden? Was kann die Kunst, was soll das Theater wollen, wenn übermorgen wieder ein mehr oder weniger gut getarnter Putsch der Demokratie das Fundament entziehen kann – wie es im vorigen Jahr ausgerechnet bei den langjährigen weltpolitischen Musterknaben in Brasilien geschah? Was wissen wir vom Macri-Regime in Argentinien, was von den noch lange nicht verheilten Wunden nach Bürgerkrieg und Militärdiktatur in Chile und Peru, was von der über Jahrzehnte anhaltenden Allgewalt der Drogen-Kartelle in Kolumbien? Wie gesagt: wenig.
Ilona ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Michael Laages
Er musste tatsächlich damit gerechnet haben. Sehr lässig schlenderte Georg Friedrich auf die Bühne zur Preisverleihung, auf dem Kopf die Schiebermütze, im Ohrläppchen den Knopf, um den Hals die Krawatte, baute sich hinter dem Sprechpult auf und pulte sich das Kaugummi aus den Zähnen, um es sorgfältig auf der Tatze des Silbernen Bären festzukleben, den er gerade als...
War-te, war-te, nur ein Weil-chen», abgehackt und kindlich streng schallt die Mädchenstimme durchs Dunkel. Ein unschuldiger kleiner Abzählreim, ginge es darin nicht um einen realen Kindermörder. Es sind die ersten Sekunden von Fritz Langs epochemachendem Krimithriller «M». Die Achtjährige, die hier, umringt von anderen Kindern, mit ausgestrecktem Arm Schicksal...
Nach zwei Stunden und 50 Minuten erreicht diese letzte Inszenierung von Frank Castorf als Intendant der Volksbühne ihren Give-the-people-what-they-want-Gipfel – geizig war sie mit Höhepunkten schon vorher nicht gewesen. Und wir, the people (as in Volksbühne), sind begeistert. Magie und Plötzlichkeit, funky Bläserfanfaren, Hedonismus und Hexerei und viel...
