Festival: Das rote Huhn und die Revolte
Wir wissen wirklich wenig; wie stark sich die Annäherung zwischen den Kontinenten mittlerweile auch entwickelt haben mag. Wenn dann aber auf Festivals hierzulande Theatersprachen und Inszenierungsstile ins Blick- und Hör-Feld geraten, die nicht unübersehbar in näherer Nachbarschaft stehen, stellt sich die Frage immer wieder neu: nach dem Fremden und nach dem Vertrauten. Der örtliche Echoraum einer Stadt kommt verstärkend hinzu.
Wie geht das Theater um mit extrem autoritären, radikal neoliberal und tendenziell extrem kulturfeindlich orientierten Polit-Strukturen, wie mit Systemen, deren demokratische Strukturen gerade wieder massiv in Frage gestellt werden? Was kann die Kunst, was soll das Theater wollen, wenn übermorgen wieder ein mehr oder weniger gut getarnter Putsch der Demokratie das Fundament entziehen kann – wie es im vorigen Jahr ausgerechnet bei den langjährigen weltpolitischen Musterknaben in Brasilien geschah? Was wissen wir vom Macri-Regime in Argentinien, was von den noch lange nicht verheilten Wunden nach Bürgerkrieg und Militärdiktatur in Chile und Peru, was von der über Jahrzehnte anhaltenden Allgewalt der Drogen-Kartelle in Kolumbien? Wie gesagt: wenig.
Ilona ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Michael Laages
Ich habe die Szene noch vor Augen: Ein Kneipentisch im Freien, ein sonniger Berliner Vormittag, Carl Weber mit einer Gruppe von Studierenden, erzählend, erläuternd, mit dem jugendlichen Feuer, das er auch im hohen Alter noch ausstrahlte. Ich hatte ihn gebeten, bei Gelegenheit des Berliner Theatertreffens über Brecht und sein Theater zu sprechen. Ganze Seminare...
Jan-Peter Kampwirth findet Freimaurer klasse: «In einem ganz normalen Händedruck liegt da eine große Verbindlichkeit!» Mitglied kann er aber leider keines werden, weil er Katholik ist – bei einer elitären Geheimgesellschaft darf nicht jeder mitspielen. Papstgläubige nicht. Und Frauen auch nicht. Das findet Gala Othero Winter ungerecht, aber Kampwirth wiegelt ab:...
Geister gibt es in allen Kulturen, Stimmen aus dem Totenreich, Kobolde, Dämonen, bösartige oder verführerische Agenten des Jenseits. Meist haben sie spezielle Anliegen, wollen sich rächen oder entschuldigen, erkannt und erlöst werden, sind mitunter nur für Auserwählte sichtbar – und dabei auch stets so etwas wie ein Spiegel der Lebenden, die von ihnen heimgesucht...
