Festival 2: Nichts zu gewinnen

Welcome To The Pleasurezone: Live Art Festival und Claiming Common Spaces suchen in Hamburg nach dem Gemeinschaftsgefühl

Wann war man eigentlich zum letzten Mal tanzen? Ewig her, natürlich: Clubs sind in der Pandemie wahrscheinlich die Orte, die als allerletzte geöffnet werden, weit nach den Theatern. Aber immerhin das Hamburger Produktionshaus Kampnagel kehrt mit seinem jährlichen Live Art Festival gerade rechtzeitig zum Lockdown-Ende zurück zur körperlichen Kopräsenz, und gleich bei der ersten gezeigten Produktion darf das Publikum tanzen.

Unter freiem Himmel, vereinzelt über genau festgelegte Zonen auf der Kampnagel-Plaza verteilt.

Täglich veranstaltet der chilenische Choreograf Jose Vidal hier eine «Collective Movement Intervention»: 60 Minuten lang wiegen sich Körper zu suggestiven Beats, und Vidal orchestriert die kollektive Choreografie per Headset. Ein wenig hat das etwas von einem Selbstfindungsseminar, und Vidals Anleitungen erinnern unangenehm an Motivationstrainings, allein: Tatsächlich sehen die mal überraschend synchronen, mal etwas ungeschickten Bewegungsabläufe künstlerisch interessant aus, tatsächlich denkt die «Collective Movement Intervention» Tanz aus dem Geist der Immersion neu, tatsächlich entsteht für Augenblicke so etwas wie ein kollektiver Körper. Und wann hatte man so etwas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Festival 1: Double Feature

Neun Tage Festival, ein Dutzend Hochschulen, 23 Produktionen: «So viel junges Theater gab es beim Körber Studio noch nie», beschreibt Thalia-Intendant Joachim Lux die Ausgabe des diesjährigen Festivals «Körber Studio Junge Regie». Was euphemistisch nach Rekorden klingt, ist natürlich eine bittere Folge der Pandemie-bedingten Theaterschließungen. Entsprechend musste...

Bissl Grunge, viel Koks

Die fettige Langhaarperücke über der hohen Stirn, die Gänge mit freiem Oberkörper in ausgeleierten Shorts, das maulige Muss-wohl-auch-mal-ne-Jeans-Drüberziehen, wenn’s denn sein soll, diese ganze durchweg herabgedimmte Haltung, mit der Joachim Meyerhoff mal hier, mal dort auf der Bühne lungert, da weiß man, selbst wenn man den Roman noch nicht gelesen hat: Wird...

Schießen Sie auf den Faschisten!

Obwohl Christophe Slagmuylder seit bereits  drei Jahren Intendant der Wiener Festwochen ist, fällt es immer noch schwer, seine Arbeit einzuschätzen.  Die ersten von ihm verantworteten Festwochen 2019 zählen nicht wirklich, weil Slagmuylder so kurzfristig berufen worden war, dass ihm für das Kuratieren nur ein paar Monate blieben. Seine zweiten Festwochen konnten...