Familie, Gewalt, Zukunft
Wenn die beiden Diener mit den Wischmopps vorbeikommen und Bodenreinigung vortäuschen, wird’s hochgefährlich. Buckingham (stoisch kaugummikauend: Lukas Holzhausen) und Catesby (extralange Leitung: Cino Djavid) scheitern zwar regelmäßig fast an sich selbst, an ihrer schildkrötenhaften Restintel -ligenz und ihrem slapsticktauglichen Ungeschick, aber irgendwann packen, stechen, strangulieren oder hauen sie mit unwiderstehlicher Brutalität einfach zu, bis jemand tot ist. Mord und Totschlag gehören hier zur gewöhnlichen Hausarbeit, Abteilung allgemeiner Service- und Reinigungsdienst.
Michel Decars Überschreibung von Shakespeares «Richard III.» reduziert das Personal auf die Kernfamilie der überlebenden Yorks gegen Ende der 30-jährigen Rosenkriege, eliminiert dabei das gesamte, nicht unaufwendige Staatsbeamtenpersonal mit seinen Finten und Intrigen, und selbst von den beiden Prinzen bleibt nur einer übrig, der außerdem, anders als in der Vorlage, überleben wird. Jedenfalls vorläufig. Dabei übertrifft der royale Familienverband in der Mehrheit die Geisteskraft seiner Dienerschaft nur geringfügig: eine freudlos dysfunktionale, so wohlstandsverblödete wie kriegstraumatisierte Gemeinschaft, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
Dmitry Krymov wurde 1954 in Moskau geboren. Sein Vater Anatolij Efros war ein berühmter russischer Regisseur, seine Mutter Natalia Krymova eine bekannte Theaterkritikerin und Historikerin. 1976 schloss er sein Bühnenbild-Studium am Moskauer Kunsttheater (MCHAT) ab, später begann er selbst zu inszenieren. Im Jahr 2004 gründete er sein eigenes experimentelles «Krymov...
Vor kurzem durfte ich an einigen Proben und Filmaufnahmen von Peter Weiss’ «Die Ermittlung» in der Regie von RP Kahl teilhaben. Auf der Basis des Theaterstücks entsteht gerade ein Kinofilm, der in einem Bühnensetting geprobt und gedreht wurde, nicht aber auf Mitschnitten einer Aufführung mit öffentlichem Publikum beruht. Jedes der elf Oratorien, die den Text...
Das Meer. Über dem Meer die Sonne. Felsen. Ein Strand.» Allein mit Worten, Pausen, Verb-losen Sätzen katapultiert der ältere Herr, der in Jeans und Weste vor den eisernen Vorhang getreten ist, das Publikum ans Mittelmeer. «Eine Straße. Eine Stromleitung. Ein nie fertig gebautes Haus.» Ganz selbstverständlich erzählt Michael Wittenborn weiter, wie eine Gruppe junger...
