Essen: Göttliches Walten?
Am 10., 25. Juni, 8. Juli 2017 im Schauspiel Essen.
Die Geschichte, in die Yamila Hanna Bach während ihrer Forschungsreise im Nahen Osten gerät, ist wirklich sehr merkwürdig. Die deutsche Mikrobiologin wird in Martina Clavadetschers Siegerstück der 4. Essener Autorentage «Stück auf!» nämlich gegen ihren Willen zur Protagonistin einer bizarren Neuerzählung der biblischen Parabel von Lot. Eigentlich wollte sie nur Proben von Pilzen und Bakterien in Sodiriya (alias Sodom) sammeln, nun steht sie vor dem Untersuchungsrichter und wird verdächtigt, ein Engel zu sein.
Ausgerechnet El-Arad, einen mutmaßlichen Mörder, Inzesttäter und Alkoholiker, soll sie vor dem angekündigten Untergang des vom Kapitalismus gezeichneten Sündenpfuhls Sodiriya retten wollen («Das Monstrum ist krank. Wie ein Ekzem, das sich ausweitet. Alles nahe dem Kollaps»). Angeklagt hat sie Baganja, die sich selbst als «zufriedene Hure» bezeichnet und fest davon überzeugt ist, dass eine Verwechslung stattgefunden hat und eigentlich sie an Stelle El-Arads errettet werden soll. Gemeinsam mit dem Untersuchungsrichter treibt sie erzählend und rekonstruierend Yamila und El-Arad geradezu ins szenische Spiel hinein, bis die Vorsehung die Regie übernimmt: Schlussendlich flüchtet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2017
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Natalie Bloch
Gewissen gegen Gesetz, der Einzelne gegen den Staat - das sind die Kernthemen von Sophokles’ «Antigone». Einen anderen Schwerpunkt wählt Anna Bergmann in Karlsruhe: Sie setzt an bei der alptraumhaften Familienhistorie der Protagonistin (Antigone und ihre drei Geschwister entstammen dem Inzest zwischen Ödipus und seiner Mutter) und rückt die blutige Vorgeschichte...
Wo Fortschritt ist, macht sich auch Nostalgie breit. Wien war bis in die 1990er Jahre noch dermaßen grau, dass man auch ohne hohes Ausstattungsbudget düstere Spionagefilme, die im Kalten Krieg spielten, drehen konnte. In den letzten Jahren hat sich die Stadt massiv verändert, schicke neue Stadtviertel sind aus dem Boden gewachsen, die...
Das Kissen liegt in seiner goldenen Kiste, als hätte der Ellbogen eines Riesen soeben eine Kuhle hinterlassen. Adrett drapiert, ein bisschen grell gemustert und so richtig riesig eben, türmt es sich zu einer Landschaft, so dass acht Menschlein wie Wollmäuse darauf herumturnen können.
Nur darf man sich dieses Ungetüm auf keinen Fall als Ruhekissen vorstellen....
