Eskapismus im Erdreich
Es summt und brummt in allen Ecken des Hauses, als seien seine Wände selbst lebendig geworden. In einer Ecke werden Messer geschmiedet, in der nächsten wird musiziert, dort plätschert Wasser durch ein Pflanzenbewässerungssystem, da sitzt eine Reihe von Menschen versunken an einem Tisch, jede*r für sich ein Video schauend. Die Maulwürfe sind eingefallen am Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm, vor dem nun ein Schild steht: «Welcome to Caveland!».
Drei Wochen lang hat hier ein «Festival für subterrane und geheime Lebensweisen» zum Einsteigen in andere Welten eingeladen – und damit auch zur Reflexion unserer Weltbilder und -repräsentationen.
Überschaubare Fantasien
Das Zentrum des Eskapismus: Philippe Quesnes Inszenierung «Die Nacht der Maulwürfe», die im letzten Jahr in Brüssel uraufgeführt wurde und nun erstmals in Deutschland gezeigt. Weil es darin um das geheime Leben im Untergrund geht, hat der Mousonturm ein Programm aus Installationen, Vorträgen und Performances gestrickt, die alternative Realitäten, Handlungs- und Imaginationsspielräume erkunden. In ein Foyer hat beispielsweise der Bildende Künstler und Performer Ibrahim Quraishi ein Ökosystem gebaut: Wasser tropft und rinnt ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Esther Boldt
«Es gibt nichts zu verstehen, aber viel zu erleben.» Der Spruch prangte schon am Eingang zu Kay Voges’ «Borderline Prozession». Nun hat er seinen angemessenen Platz gefunden auf der Übertitelungsschiene zu seiner Inszenierung von «Einstein on the Beach». Philip Glass und Robert Wilson waren sich 1976 darin einig, dass Kunst keine Erzählung irgendeiner Geschichte...
Die Textgrundlage für die hier abgedruckte Tragödie «Niemand» von Ödön von Horváth ist ein
hektographiertes Typoskript, das der Berliner Verlag «Die Schmiede» 1924 als Bühnenmanuskript hergestellt hat.
Das Typoskript, das sich im Besitz der Wienbibliothek im Rathaus befindet (ZPH 1666), ist der
einzige bekannte Textzeuge dieses Werks.
Der vorliegende Abdruck von...
Alle kennen seit über 20 Jahren das große Theaterkrisenszenario: Eine überforderte Kulturpolitik sorgt bei angespannten kommunalen Haushalten unter abnehmender öffentlicher Theaterbegeisterung für hohen Spardruck, der durch immer mehr Produktionen ausgeglichen werden soll und spätestens dann in die strukturelle Unterfinanzierung mündet, wenn über Jahre...
