«‹Ellbogen› macht total Bock»
Ich habe jetzt drei junge, unterdrückte, handlungsunfähige Frauen in einer Spielzeit gespielt, role models sind das nicht gerade.» Cennet Rüya Voß lacht. In Düsseldorf hat der Klassiker-Kanon mit voller Wucht zugeschlagen. Mit der 27-jährigen, 1,56 Meter großen Schauspielerin hat er allerdings eine Sparringspartnerin erwischt, die weiß, wie sie Contra gibt. Wer Voß als Eve in «Der zerbrochne Krug» gesehen hat, traut sich kaum mehr, «Evchen» zu dieser Rolle zu sagen, eher sagt man erst mal gar nichts mehr.
Die über weite Strecken hochkomische Inszenierung von Laura Linnenbaum lässt am Ende nicht Eve und ihre Mutter Marthe (Michaela Steiger) mit einem Scherbenhaufen zurück, sondern uns alle. Als ein Publikum, das seit zwei Jahrhunderten bereitwillig mitlacht, wenn auf der Bühne sexualisierte Gewalt als Kavaliersdelikt aufgeführt und der «Krug» als abendfüllender Herrenwitz fehlinterpretiert wird. Und als Teil einer Gesellschaft, in der Frauen aus Angst oder Scham bis heute nur sieben bis 14 Prozent der Vergewaltigungen zur Anzeige bringen, je nach Statistik und EU-Land.
Es ist ein System von Machtmissbrauch und verleugneter Mitwisserschaft, das Heinrich von Kleist mit beißender ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Cornelia Fiedler
Verschwenderisch zischt die Ursuppe aus der Nebelmaschine, unheilvoll dröhnen die Bässe, tuten die Hörner. In archaisches Theaterdampfen ist die Bühne gehüllt, der Anbeginn der Welt, der Nebel des Unwissens, aus dessen Untiefen auf der Drehbühne langsam Gestalten anfahren, erst eine, dann zwei, dann mehr. Sie tragen weiße Kleidchen und kahle Köpfe, wie...
11. März 2004: In Madrid ist es 7.39 Uhr, als die erste Bombe hochgeht. Neun weitere Detonationen folgen: in vier Vorortzügen, in denen dicht gedrängt Pendler zur Arbeit, Kinder zur Schule und Studierende zur Uni fahren. 191 Menschenleben forderte das Attentat. Noch Jahre danach wird ein Vater immer wieder die Bahnstrecke abfahren, in der Hoffnung, seine Tochter...
Ein «Fatzer» ist im Augsburger Dialekt ein Schwätzer, ein Aufschneider. Brecht hat seiner Figur einen wahrlich sprechenden Namen gegeben. Der ichsüchtige Spötter redet und redet und geht doch unter. Er steigt aus dem Krieg aus, ein Deserteur. Lang ist’s her, der Erste Weltkrieg, und lange hat Brecht an diesem Projekt vom «Untergang des Egoisten Johann Fatzer»...
