«‹Ellbogen› macht total Bock»
Ich habe jetzt drei junge, unterdrückte, handlungsunfähige Frauen in einer Spielzeit gespielt, role models sind das nicht gerade.» Cennet Rüya Voß lacht. In Düsseldorf hat der Klassiker-Kanon mit voller Wucht zugeschlagen. Mit der 27-jährigen, 1,56 Meter großen Schauspielerin hat er allerdings eine Sparringspartnerin erwischt, die weiß, wie sie Contra gibt. Wer Voß als Eve in «Der zerbrochne Krug» gesehen hat, traut sich kaum mehr, «Evchen» zu dieser Rolle zu sagen, eher sagt man erst mal gar nichts mehr.
Die über weite Strecken hochkomische Inszenierung von Laura Linnenbaum lässt am Ende nicht Eve und ihre Mutter Marthe (Michaela Steiger) mit einem Scherbenhaufen zurück, sondern uns alle. Als ein Publikum, das seit zwei Jahrhunderten bereitwillig mitlacht, wenn auf der Bühne sexualisierte Gewalt als Kavaliersdelikt aufgeführt und der «Krug» als abendfüllender Herrenwitz fehlinterpretiert wird. Und als Teil einer Gesellschaft, in der Frauen aus Angst oder Scham bis heute nur sieben bis 14 Prozent der Vergewaltigungen zur Anzeige bringen, je nach Statistik und EU-Land.
Es ist ein System von Machtmissbrauch und verleugneter Mitwisserschaft, das Heinrich von Kleist mit beißender ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Cornelia Fiedler
In den letzten drei Jahrzehnten seines Lebens war der 1937 in Wien geborene Schauspieler Peter Matic Mitglied des Burgtheaterensembles, er erhielt den Titel Kammerschauspieler, den Nestroy-Theaterpreis und das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, gastierte gelegentlich auch wieder an seiner Anfängerbühne Theater in der Josefstadt, an der Volksoper Wien...
Die Londoner Theaterlandschaft, einst quasi monolithisch-exklusiv in der Hand weißer Intendanten-Männer, ist seit einiger Zeit im Umbruch. Und die Veränderung nimmt gerade ordentlich Fahrt auf. Natürlich gab es in diesem ausgesprochen unausgesprochenen Testosteron-Territorium auch immer mal wieder Ausnahmefrauen. Aber in einer Hauptstadt, in der 270 Nationen...
Fast jedes «man» in diesem Text könnte wahrscheinlich ein «Mann» sein. Denn auch wenn hier eine Frau schreibt, ist diese Theaterwelt immer noch eine oft sehr männliche Welt – und nicht nur die. Dessen sind sich Stefan Pucher und die Volksbühne sehr bewusst, wie schon an Ankündigung und Programmheft für die Inszenierung von Wedekinds «Lulu» zu erkennen ist....
