Ein Wald voll Grauen

Überlegungen eines fortschrittlichen Theaterleiters bei der Betrachtung von Markus Öhrns «3 Episodes of Life»

Denn Kunst und Sinnen hat Schmerzen / Gekostet von Anbeginn.» Kann ich noch auswendig, von früher. Steht in einem Turmgedicht, von Hölderlin. Die Kunst von gestern heißt ja heute Kunstkunst, so wie man Tanztanz sagt, wenn man über Tanz mit synchronen Bewegungen sprechen will, über Tanztheater, Ballett oder sonstwas Virtuoses. In meiner Erinnerung opferte man sich für die Kunstkunst noch vorbehaltlos auf, leidenschaftlich und lückenlos.

Stellte das eigene Leben, Empfinden, Bedürfen, mitunter sogar die eigene Würde hintan und in den Dienst der Sache, der Kunst, des Kunstkünstlers (oder weit seltener: der Kunstkünstlerin). Privat war bourgeois, intim wurde es vor allem vor allen anderen, und bestenfalls ging’s an Eingemachte. So peinvoll, demütigend und finster war es noch bis Ende des 20. Jahrhunderts. Auf Einzelschicksale konnte da beileibe keine Rücksicht genommen werden.

Als ich vor einigen Jahren Intendant wurde, waren solche Zeiten freilich längst vorbei – zumindest in fortschrittlichen Institutionen wie dem Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt, wo ich arbeite. Ich erhielt Bewer­bungen, in denen oft schon im ersten Absatz auf die Relevanz einer angemessenen Work-Life-Balance ...

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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 10
von Matthias Pees