Drei von der Tankstelle
Wild Frontier: Der Donbass ist eine Steppenlandschaft zwischen der Ukraine und Russland, dünn besiedelt, aber industrialisiert, eine Re -gion, die über Jahrtausende Durchmarschgebiet verschiedener Armeen war, die sich sprachlich und kulturell mit der spärlichen Bevölkerung mischten, eine auf eigenartige Weise von der Welt vergessene Krisenregion, die aktuell ein weiteres Mal Kriegsschauplatz ist.
Serhij Zhadan hat «Die Erfindung des Jazz im Donbass» allerdings vor dem russischen Angriff auf die Ukraine geschrieben, erschienen ist der Roman 2012 im Original unter dem Titel «Woroschilowgrad», zu Sowjetzeiten der Name der Stadt Luhansk. Was einen schon auf die Spur dessen führt, was Zhadan erzählen will: Es geht über 500 Seiten um eine Vermischung der Zeiten, der Sprachen und der Wertesysteme, bis sich alles in einem Rausch aus Wodka, Sentiment und schließlich Gewalt auflöst.
Armin Petras denkt diese Vermischung in seiner Romandramatisierung fürs Theater Bremen vom Ende her, also von der Gewalt, die spätestens 2014 mit dem Überfall Russlands auch weltpolitisch zum Thema wurde. Die von Zhadan in der postsowjetischen Umbruchszeit der Nullerjahre verortete Abenteuergeschichte vom ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Falk Schreiber
Frau und Mann haben ein Kind gezeugt. Das kommt gemäß evolutionärem Istzustand vor, nur nicht immer mit Bedacht. Das Tröstliche an so einem Ereignis ist der schier übermenschliche Wille zur Harmonie, der jede noch so brüchige Bindung in Heilwolle wickelt. Das hilft. In den ersten paar Wochen.
In Freiburg badet das gebärfreudige Jungbürgertum dann gern an...
Surprise: wir haben also das Feudalsystem nie verlassen – welcome im Bad Kingdom Germany.» So heißt es gegen Ende von Falk Richters Schaubühnen-Abend «Bad Kingdom». Als Resümee in einem längeren Monolog zur wachsenden Vermögensungleichheit im Land. Deutschland – ein mieses Königreich, ein Land der schlecht verteilten Chancen.
Der Claim könnte gut als Motto über...
Das vorliegende Theaterstück besteht aus über einhundert Gesprächen. Die meisten davon wurden real geführt zwischen Januar und September 2022, die anderen sind frei erfunden. Genau lässt sich das nicht mehr zuordnen, Schade.
Samuel W. wird während des gesamten Stücks nicht auf der Bühne zu sehen sein. Er sagt nichts, auch nicht aus dem Off. Ihn abzubilden oder in...
