Distanz und Nähe
Neben Heinar Kipphardts «In der Sache J. Robert Oppenheimer» und Rolf Hochhuths «Stellvertreter» war «Die Ermittlung» von Peter Weiss das Aufsehen erregendste Stück des wiederbelebten dokumentarischen Theaters in der BRD der 1960er Jahren. Das «Oratorium in 11 Gesängen» basierte auf Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses von 1963 bis ’65, denen Weiss als Zuschauer beiwohnte.
In vollem Bewusstsein aller Tücken des Repräsentations -theaters gerade in diesem, in den 60er Jahren erstmalig ins Bewusstsein rückenden Themas der deutschen Schuld, wählte er eine verfremdete, betont nüchterne Form aus rhythmisierter Sprache, anonymisierter Opferperspektive und rigider Struktur, eben jenen elf Gesängen von der Rampe bis in die Feueröfen. Die Uraufführung war ein singuläres Ereignis, das am 19. Oktober 1965 an fünfzehn west- und ostdeutschen Theatern sowie an der Royal Shakespeare Company in London gleichzeitig stattfand. Schon zwei Monate vorher hatte «Theater heute» den vollständigen Text abgedruckt.
Alles lange her. 2017 wussten nach einer Studie der Körber Stiftung vier von zehn Schülern nicht, dass Auschwitz ein Vernichtungslager war, 2024 erreicht die AfD gerade junge ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt
Warum hat Tolstoi eigentlich nicht «Krieg» geschrieben, sondern «Krieg und Frieden»? Warum gab es Gandhi, die indische Unabhän -gigkeitsbewegung, Martin Luther King, die Bürgerrechtsbewegung, die Proteste gegen den Vietnam-Krieg, die ’68er Bewegung, die Fridays for Future? Und warum gab es noch keinen dritten oder vierten Weltkrieg? Hängt alles eng miteinander...
«Ich sage es gern und mit dreckspfauenhaftem Augenaufschlag: Ich durfte 2018 schon einmal eine Laudatio auf Caren Jeß halten. Damals fiel es mir leicht, Caren für ihr Schräge-Vögel-Stück «Bookpink» zu loben, mit dem sie dann später auch an ebendieser Stelle großen Erfolg hatte.
Junge Frau, Du alte Mülheim-Häsin! Sechs Jahre später steht es mir nicht mehr zu, Dich...
Kommt ein Schauspieler zum Psychiater: «Herr Doktor, ich habe das Gefühl, dass die Menschen mich nicht beachten.» Sagt der Psychiater: «Der Nächste, bitte!»
Die Inszenierung beginnt damit, dass der Schauspieler Alexander Hetterle – er spielt im Stück dann den Kriminalinspektor – vor dem geschlossenen Vorhang steht und Psychiaterwitze erzählt. Auf dem Programm steht...
