Distanz und Nähe

RP Kahl traut sich an Peter Weiss’ Doku-Drama «Die Ermittlung»und schafft ein texttreues Vier-Stunden-Dokument

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Neben Heinar Kipphardts «In der Sache J. Robert Oppenheimer» und Rolf Hochhuths «Stellvertreter» war «Die Ermittlung» von Peter Weiss das Aufsehen erregendste Stück des wiederbelebten dokumentarischen Theaters in der BRD der 1960er Jahren. Das «Oratorium in 11 Gesängen» basierte auf Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses von 1963 bis ’65, denen Weiss als Zuschauer beiwohnte.

In vollem Bewusstsein aller Tücken des Repräsentations -theaters gerade in diesem, in den 60er Jahren erstmalig ins Bewusstsein rückenden Themas der deutschen Schuld, wählte er eine verfremdete, betont nüchterne Form aus rhythmisierter Sprache, anonymisierter Opferperspektive und rigider Struktur, eben jenen elf Gesängen von der Rampe bis in die Feueröfen. Die Uraufführung war ein singuläres Ereignis, das am 19. Oktober 1965 an fünfzehn west- und ostdeutschen Theatern sowie an der Royal Shakespeare Company in London gleichzeitig stattfand. Schon zwei Monate vorher hatte «Theater heute» den vollständigen Text abgedruckt.

Alles lange her. 2017 wussten nach einer Studie der Körber Stiftung vier von zehn Schülern nicht, dass Auschwitz ein Vernichtungslager war, 2024 erreicht die AfD gerade junge ...

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Theater heute Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt

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