Die Zeugin der Anklage
Die Idee zu «Prima Facie» kam Suzie Miller bereits während ihrer Zeit als Jurastudentin, lange bevor sie Dramatikerin wurde. Doch erst nach Jahren der Tätigkeit als Strafverteidigerin und Anwältin für Menschenrechte bot sich ihr die Gelegenheit, das Stück zu realisieren. Die #MeToo-Bewegung hatte Millers Wunsch bestärkt, eine feministische Befragung des Rechtssystems auf die Bühne zu bringen.
Und endlich, so schien es, eröffneten sich auch die sozialen Räume für einen Stoff, der zeigt, wie das Gesetz den sexuellen Übergriff eines Mannes gegenüber einer Frau gegen den Willen der Frau neu definiert. Wer eine der begehrten Karten für die stets ausverkauften Aufführungen am Broadway oder im West End ergattert, kann Millers virtuoses Solostück für eine Schauspielerin im englischen Original erleben. In der kommenden Saison setzen auch zahlreiche deutsche Bühnen das Werk auf den Spielplan.
Millers Protagonistin ist eine junge Anwältin in England, die es aus der Arbeiter:innenklasse in eine renommierte Kanzlei geschafft hat. Nun verteidigt sie Männer, die sexueller Straftaten wegen belangt werden. Vor Gericht nimmt Tessa Ensler die Zeuginnen der Anklage methodisch brillant ins Verhör, um ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 157
von Janine Ortiz
Zuallererst ist da ein Haus. Ein Konstrukt. Ein System. Es beherbergt un -sere Geschichten. Manches erzählt es, vieles versteckt es. Man muss die Verstecke finden, um alle Geschichten zu entdecken. Nicht nur die, die beim ersten Anblick offenbar werden. Sondern auch die, die wir zunächst übersehen haben. Denn tief im Boden schlummern und grummeln sie.
Sivan Ben...
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