Die Strippenzieherinnen

Karin Henkel montiert am Deutschen Theater drei Shakespeare-Stücke zu «Rom» und stärkt die Rolle der Frauen beim Untergang der römischen Republik

Wenn in der zweiten Maiwoche beim Berliner Theatertreffen Karin Henkels Zürcher Inszenierung «BEUTE FRAUEN KRIEG» zu sehen sein wird, eine Euripides-Kompilation der «Troerinnen» von John von Düffel und «Iphigenie in Aulis» von Soeren Voima, die die Geschichte der Frau als instrumentalisiertes Opfer in von Männern betriebenen Kriegen erzählt, dann könnte ein anschließender Besuch ihrer DT-Inszenierung «Rom» als Antidot dienen.

 

Denn dort blickt Karin Henkel in die römische Antike zurück, mit Hilfe von drei Shakespeare-Stücken, deren Titel «Coriolan», «Julius Cäsar» und «Antonius und Cleopatra» zwar die übliche Dreiviertel-Männer-Dominanz suggerieren, in der Lesart von Karin Henkel und John von Düffel aber die Frauen aus der Opferrolle entlassen und zu zielsetzenden Strippenzieherinnen ermächtigen – wenn auch nur in der Form des effektiven Wirkens im Hintergrund.

Schon die allererste Szene setzt den Abend auf diese Spur. Nachdem ein Hoodie-Junge mit blutrot triefendem Pinsel «ROM REPUBLIK» an die Holzwand gemalt hat, die Vorder- und Hinterbühne von Thilo Reuther trennt, ist es Kate Strong, die im kleinen Schwarzen und verführerisch quäkendem Englisch Coriolan auf die Bühne lockt: ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 40
von Barbara Burckhardt

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