Die Schwaben, die unbekannten Wesen
Das Wichtigste zu Beginn: Sie dreht sich! Die Stuttgarter Drehbühne funktioniert. Sie war in den letzten drei Jahren das vermutlich größte Hassobjekt der Bauplaner, Haustechniker und Theaterverantwortlichen in Stuttgart. Und auch Landes- und Stadtpolitiker haben das Hightech-Monster sicher regelmäßig verflucht, wenn sie die Peinlichkeit der verpatzten Schauspielhaus-Renovierung, deren Symbol die Drehbühne war, wiederholt vor der Öffentlichkeit rechtfertigen mussten.
Davon ist zum Saisonauftakt nichts mehr zu spüren.
Stattdessen gediegene bürgerliche Begeisterung unter anderem darüber, dass die mehrfach ein- und ausgebaute neue Bestuhlung wieder an Ort und Stelle ist und noch recht bequem dazu. Und in der Tat, technisch gibt es am Stuttgarter Eröffnungswochenende mal überhaupt nichts zu beanstanden. Ein- und Ausfahrten, Um- und Abbauten, alles läuft, zumindest für das Auge des Besuchers, wie geschmiert. Das muss nach dem Dauerdrama der Renovierung und jenseits aller künstlerischen Fragen als Leistung an sich gewürdigt werden.
Die nun endlich gelungene Fertigstellung sorgt dafür, dass Armin Petras mit gleich sechs Inszenierungen einen angemessenen Einstand in Stuttgart feiern kann. ...
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Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 6
von Kristin Becker
Erster Akt: Die ungehaltene Rede
Die Rede, die vom Jubiläumskongress des Burgtheaters im Oktober bleiben wird, wurde gar nicht gehalten. In einer Pause enterte ein Mann in der dunkelblauen Uniform eines Burgtheaterbilleteurs und hob zu einer Rede an, die umgehend abgewürgt wurde. Der Mann, der sich als Christian Diaz vorstellte, konnte gerade noch seine...
Kaum zu glauben, dass Ödön von Horváth so etwas geschrieben haben soll: Sein Don Juan, der aus dem Ersten Weltkrieg kommt, verkörpert die einzige historische Konstante, nachdem Millionen tot sind, die alte Welt zerbrochen, der Kaiser abgedankt, das Geld nichts mehr wert ist. Nur die weiblichen Reflexe folgen noch der alten Kompassnadel. Alle Damen der Schöpfung...
Elfriede Jelinek hat eine neue dramatische Strategie erfunden: das Sekundärdrama. Dieses sei, so die Autorin, von seinem «Wirt», dem Primärdrama, abhängig und dürfe nur gemeinsam mit ihm aufgeführt werden. Nach Faust («FaustIn and out») hat sich Jelinek nun Ibsens «Nora» vorgeknöpft. Der eigens für das Düsseldorfer Schauspielhaus verfasste Epilog «Nach Nora» spült...
