Die Schlupfwinkelfinderin

Die junge Schauspielerin Camille Dombrowsky trat zu Beginn der Saison 2022/23 am Staatsschauspiel Stuttgart ihr erstes Festengagement an. Spricht sie über das Thema «Knappheit», geht es ihr auch um die Planbarkeit des Alltags, die am Theater bisher nur schwer möglich ist

Derzeit steht sie in Stuttgart in Shakespeares «Der Sturm» auf der Bühne: als Miranda, Tochter des Prospero, neben André Jung. Camille Dombrowsky, 26 Jahre alt, spielt Miranda als selbstbewusste, schlagfertige, emanzipierte junge Frau. Natürlich reißt sie dem heißbegehrten jungen Prinzen Ferdinand die Kleidung vom Leib – und nicht umgekehrt. Dombrowsky hat sich schnell in die Herzen des Publikums gespielt – und auch gesungen. Im «Sturm» singt sie nämlich auch eine Arie von Antonio Vivaldi.

Schließlich hat sie gleich zwei künstlerische Ausbildungen an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater «Felix Mendelssohn Bartholdy» absolviert: Zunächst studierte sie klassischen Gesang – nachdem sie 2014 beim Bundeswettbewerb «Jugend musiziert» den ersten Preis gewonnen hatte –, dann schloss sie gleich noch eine Schauspielausbildung an. Warum? Sie habe in Aufführungen des Fachs Schauspiel gesessen und sei fasziniert gewesen, wie sehr sich die Studierenden der Spielsituation aussetzen, sich verausgaben, nach Wahrhaftigkeit suchen, ihren Körper einsetzen. «Das wollte ich auch: die Sachen wirklich fühlen, und nicht nur so tun, als ob», wie sie es so oft auf der Opernbühne gesehen hatte. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Knappheit - alles auf Kante, Seite 14
von Verena Großkreutz

Weitere Beiträge
Nachhaltig mit Menschen umgehen

Seit Jahrhunderten verzichten Frauen*. Sie verzichten auf ihre Karrieren, auf ihr Essen, auf ihre Selbstbestimmung, ihr Geld, ihre Freiheiten, ihren Orgasmus. Sie verzichten, weil sie müssen, weil es ihnen von außen aufgetragen wird. Damit das Ungleichgewicht im Gleichgewicht bleibt. Damit das Patriarchat florieren und sich seine Säulen tiefer in die Erde...

Queering the narrative

Es geht um viele erste Male in Leonie Lorena Wyss’ Stück «Blaupause»: die erste Menstruation. Die erste Zigarette. Die erste Masturbation. Das erste Mal in einem Film sehen, wie sich zwei Frauen küssen, und das erste Mal die Farbe Blau entdecken. Und fast ganz am Ende, da geht es darum, das erste Mal laut einen Satz auszusprechen: «Ich habe eine Freundin.» Bis zu...

Archaeopteryxe im Gleitflug

Amit Jacobi
Wut, Schmerz und Gewalt

O you hochgeehrte beings der kontinentalen Intelligenz! Als Repräsentanten des sogenannten Körpers der sogenannten Nationaldichterin möchten wir uns erstmal bedanken! Thank you! Thank you für die Ehre, für die Anerkennung und ja, thank you für das Gold – we come in peace! Peace … Im Gegensatz zu dieser schönen Stunde der...