Die Partisanentochter
The Artist is present» hieß die mehrere hundert Stunden dauernde Performance, mit der Marina Abramovic 2010 halb New York ins MOMA lockte. Doch nicht nur dort, an einem Tisch und auf zwei Stühlen, wo sich die Künstlerin und wechselnde Besucher*innen vor Publikum und Kameras gegenübersaßen und in die Augen blickten, war Abramovic anwesend: Auch in Werbespots (Adidas) und Musicvideos (Jay-Z), auf Modeschauen oder im Theater Bob Wilsons zeigte sich die Performerin seither so ausdauernd, dass es strengen Zeitgenossen schon auf die Nerven zu gehen begann.
Solche Geschmacksurteile dürften Abramovic nicht weiter anfechten. Ein Teil ihrer äußerst publicitywirksamen Aktionen diente dazu, ihr jüngstes Projekt MAI (Marina Abramovic Institute) mitzufinanzieren, eine Art Ausbildungsstätte für Performancejünger*innen am Hudson River, die dort mit einer Vielzahl performativer Techniken vertraut gemacht werden (vom Nichtshören bis zum Reiszählen). Denn Abramovic hat eine Botschaft zu überbringen, die verblüffend gut zum medienüberfrachteten, Kunst- und Technik-verstopften Zeitgeist passen: Mit Performancekunst könnt ihr lernen, achtsam zu handeln und im Jetzt zu leben.
Grenzen überschreiten
Par ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Eva Behrendt
Kein Flüchtling, der ein Künstler ist, möchte Flüchtlingskunst machen. Wer will schon das ewige Berufsopfer geben, eingekeilt zwischen herablassendem Mitleid und wohlwollendem Auftrag? Dass solche Konstellationen, auch wenn sie noch so nett gemeint sind, nur scheitern können, dafür mehren sich mittlerweile die Beispiele. Das hochreflektiert diskursfitte Gorki...
Die Textgrundlage für die hier abgedruckte Tragödie «Niemand» von Ödön von Horváth ist ein
hektographiertes Typoskript, das der Berliner Verlag «Die Schmiede» 1924 als Bühnenmanuskript hergestellt hat.
Das Typoskript, das sich im Besitz der Wienbibliothek im Rathaus befindet (ZPH 1666), ist der
einzige bekannte Textzeuge dieses Werks.
Der vorliegende Abdruck von...
«Dantons Tod» in einem Satz? «Die Revolution ist die Maske des Todes.» Der Satz findet sich, leitmotivisch wiederholt, in Heiner Müllers Stück «Der Auftrag» (1979), einem gallig-dialektischen Nachspiel zu Büchners melancholischem Revolutionsdrama. Drei Emissäre des französischen Konvents landen Anfang des 19. Jahrhunderts auf Jamaika. Ihr Auftrag ist es, einen...
