Die Gesetze des gemeinsamen Erscheinens
Terry, die Performerin mit den langen, etwas zersaust wirkenden Haaren, setzt ihre Worte in ihrem ganz eigenen Rhythmus, mit Bedacht, ein wenig schleppend: «Eine gute Geschichte braucht einen guten Anfang, Charaktere, Vorbilder, beste Freunde, Feinde, Überraschungen …» Die Aufzählung zieht sich in die Länge. Während Terry spricht, macht sich unter den fünf anderen Performern eine gewisse Unruhe breit. Zumindest geben sie das zu verstehen: Einer kratzt sich an der Nase. Einer tritt etwas unruhig von einem Bein aufs andere. Einer schaut ein wenig betreten zur Seite.
Die drei Männer und zwei Frauen warten darauf, dass der lange, jetzt schon etwas zu lange Monolog über das, was «eine gute Geschichte» braucht, endlich enden möge. Doch Terry kommt gerade erst in Fahrt: «Wird sich der an der Klippe hängende Kletterer halten können? Wird sich das Kind, das an der Klippe hängt, dort festhalten können?»
Es dauert lange, bis einer der fünf Performer Terry endlich unterbricht und von der Qual, weiterreden zu müssen, erlöst. Nun geht es Schlag auf Schlag. Neue Geschichten werden erzählt – absurde, traurige, furchtbare, und vor allem solche mit komplizierten Verwicklungen. «Das erinnert mich an ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2012
Rubrik: Theorie, Seite 38
von Nikolaus Müller-Schöll
Ein sonniger Samstagabend im Juni: Friedlich liegt es da, das Occupy-Camp zu Füßen der Frankfurter Banktürme. Um den Zeltplatz herum: ein «Zaun» aus Plakaten zwischen Wut und Enttäuschung. Dazwischen die Ankündigung eines Kulturwochenendes. An einem Zelt, deutlich kleiner geschrieben, eine Liste: «Wir brauchen: Zelte, Schlafsäcke, veganes Essen.» Zwischen den...
Erst vor Kurzem beschäftigte das Stuttgarter Staatsschauspiel sich en passant mit Albert Camus’ «Die Gerechten» (1949). Im nahe gelegenen Tübingen folgte jetzt mit Jean-Paul Sartres «Die schmutzigen Hände» (1948) das nächste Stück rund um die Frage, ob der politische Mord zur Durchsetzung hehrer Ideale gerechtfertigt sei. In beiden Fällen greift ein mit linken...
Der Feldforscher Alfred Loth, den Matthias Redlhammer redlich spielt, weder im positiven noch im negativen Sinn besonders überschwänglich – dieser also ziemlich langweilige Loth trifft im Partyzelt, wo man Champagner und Austern meist im Stehen verzehrt und Abfälle auf den Boden kippt, auf eine bunt gemischte, kaputte Truppe: Da wäre der Ingenieur Hoffmann,...
