Die andere Seite der Geschichte
Seitdem ich in Deutschland bin, habe ich das deutsche Theater, wie ich es erlebe, oft kritisiert und dem englischen Theater gegenübergestellt. Ich habe gesagt, das deutsche Theater ist «tief», philosophisch und politisch im Gegensatz zum englischen Theater, das wegen des anspornenden ökonomischen Drucks auf Publikumserfolge aus ist. Andererseits habe ich oft aufwendige Mittel für das Theater gefordert, die auf der ganzen Welt überhaupt nur das deutsche subventionierte Stadttheater zur Verfügung stellen kann.
Dieser Widerspruch lässt sich nicht aufheben, denn man darf nicht Dinge miteinander vermischen, die nicht zusammengehören. Es gibt hier zwei verschiedene Widersprüche. Der eine Widerspruch besteht zwischen der englischen Art des Theaters, die gar nichts damit zu tun hat, ob es kommerziell oder nicht kommerziell ist, und der deutschen Art des Theaters. Die englische Art hat mehr mit Showmanship und mit Publikum zu tun. Die englischen Schauspieler, Theatermacher und Theaterautoren, natürlich auch Shakespeare, haben immer sofort ans Theater und an das Publikum gedacht und nicht an «Literatur». Dass die Stücke irgendwann – zu Shakepeares Zeit etwa – einmal aufgeschrieben und ...
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Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch die auf den Sommer. Und so haben sich unsere Theater von nasskalten Mai- und Junitagen nicht irritieren lassen und verlegen ihre Spektakel im Juli unverdrossen ins Freie. Mit den «Nibelungen. Lockruf des Goldes» nach Hebbel eröffnet Markus Heinzelmann mit 100 mitwirkenden Jenaer Laien den Freilichtreigen auf der Bühne...
Manchmal genügt ein Satz, um zu wissen, wann und wo ein Stück spielt. «Es wird nicht, was wir wollen, sondern wir wollen, was wird», meint die Kreisleitung. Damit wäre alles gesagt über die späte DDR und ihren Untergang: ein Staat, der sich nicht um die Wünsche seiner Bürger schert, sondern diese im Gegenteil autoritär dazu verdonnert, den Mangel zum Wunsch zu...
Seine seiner ersten Amtshandlungen, erzählt Peter Carp, sei es gewesen, eine großformatige Fotografie an die Außenwand des Theaters am Will-Quadflieg-Platz zu hängen. Nicht Quadflieg, den Oberhausener Mimen, zeigt das Foto: Nein, da sitzen zwei alte Sizilianerinnen auf ihren Klappstühlen mitten auf der Gasse. Die Plakatwand vermittelt nicht nur süditalienisches...
