Die andere Seite der Geschichte

Zwischen Kunst und Showmanship – die zwei Seiten des Peter Zadek: ein Auszug aus dem letzten Teil seiner Autobiografie «Die Wanderjahre»

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Seitdem ich in Deutschland bin, habe ich das deutsche Theater, wie ich es erlebe, oft kritisiert und dem englischen Theater gegenübergestellt. Ich habe gesagt, das deutsche Theater ist «tief», philosophisch und politisch im Gegensatz zum englischen Theater, das wegen des anspornenden ökonomischen Drucks auf Publikumserfolge aus ist. Andererseits habe ich oft aufwendige Mittel für das Theater gefordert, die auf der ganzen Welt überhaupt nur das deutsche subventionierte Stadttheater zur Verfügung stellen kann.

Dieser Widerspruch lässt sich nicht aufheben, denn man darf nicht Dinge miteinander vermischen, die nicht zusammengehören. Es gibt hier zwei verschiedene Widersprüche. Der eine Widerspruch besteht zwischen der englischen Art des Theaters, die gar nichts damit zu tun hat, ob es kommerziell oder nicht kommerziell ist, und der deutschen Art des Theaters. Die englische Art hat mehr mit Showmanship und mit Publikum zu tun. Die englischen Schauspieler, Theatermacher und Theaterautoren, natürlich auch Shakespeare, haben immer sofort ans Theater und an das Publikum gedacht und nicht an «Literatur». Dass die Stücke irgendwann – zu Shakepeares Zeit etwa – einmal aufgeschrieben und ...

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Theater heute Juli 2010
Rubrik: Akteure, Seite 46
von Peter Zadek

Vergriffen
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