Des Waldes Wutrede
Kurz vor Schluss dieses langen Waldtages landen wir auf einer Lichtung. Hinter einem kaum sichtbaren, zugewachsenen Tümpel erhebt sich ein rot leuchtendes LED-Panel, umstellt von 14 Lautsprechern, und aus dem Tümpel steiget, als wir rund 200 Zuschauer:innen uns auf der Wiese niederlassen, eine gigantische, hungrige Mückenschar. Hektik bricht aus, letzte Insektenspray-Reserven werden appliziert, trotz schwüler 32 Grad die Flucht in luftdichte Plastikponchos angetreten. Erstaunlicherweise ebbt die Attacke ab. Dafür beginnt das LED-Panel zu texten.
Erst liefert es nur sachliche Beschreibungen des Offensichtlichen wie «Mitten auf der Wiese steht ein LED-Panel», dann wird es persönlicher: «Ich sehe euch.» Tja, wer spricht denn da? «Ich mag es, wenn ihr mich Natur nennt.» Ein kleiner Ritt durch die Menschheitsgeschichte beginnt. «Sah euch am Feuer Pläne schmieden, wie ihr von mir loskommt … und dachte mir, wo wollen sie denn hin?» «Die Ausrottung eurer Spezies ist eine Erlösung, sie ist ganz nah», «Macht, was ihr wollt», «Ich brauche euch nicht», wütet das Panel immer ungehaltener, begleitet von bösem Rauschen aus den Lautsprechern. Dass die Natur uns wie ein beleidigter Herrscher eine ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
Die Briefe von Felix Ganz gehen unter die Haut. Eben noch ein wohlhabender Teppichgroßhänd -ler und Fabrikant in Mainz mit internationalen Verbindungen, einer großen Villa am Rhein und rauschenden Festen, haben ihn die Nazis enteignet, entwürdigt und mit seiner Frau Erna in ein kleines Zimmer im Mainzer «Judenhaus» gegenüber der Gestapo-Zentrale verbannt. Seine...
Kann mal bitte jemand die Zikaden abstellen? Theater beim Festival von Avignon ist zu weiten, oft den schönsten Teilen Theater an der freien Luft. In romanischen Kreuzgängen, barocken Innenhöfen, klassizistischen Gärten. Das hat zur Folge, dass auch mal ein dicker Käfer auf dem Mond im «Sommernachtstraum» herumbrummt oder dass weit oben im Pro -vencehimmel die...
Vorhang auf!» Unter diesem Titel läuft im Rupertinum, schräg vis-à-vis von den Festspielhäusern, derzeit eine Ausstellung mit Theaterfotografien von Ruth Walz, die von 1976 bis 1990 Hausfotografin der Schaubühne war. Der Schwerpunkt der Schau (bis 12. November) liegt naheliegenderweise auf Aufführungen der Salzburger Festspiele, wo Walz in den vergangenen 30 Jahren...
