Der Tanz ums goldene Objekt
Eine schöne und noch dazu bezahlbare Wohnung in einer deutschen Großstadt zu finden, ist schwer. Das Angebot ist knapp und die Konkurrenz der Mitbewerber groß. Der Immobiliendarwinismus prägt mittlerweile das soziale Klima. Früher sprach man von Gentrifizierung, heute von der Hypergentrifizierung. Gemeint ist, dass nicht nur die einkommensschwachen Bevölkerungsschichten keinen Wohnraum mehr finden, sondern zunehmend auch viele Besserverdienende aus dem deutschen Mittelstand.
Die Gentrifizierung ist nicht nur ein Schluckauf im System, sie fordert gesellschaftspolitische Grundsatzentscheidungen. Noch sind die Demonstrationen derjenigen, die fürchten, entwohnt zu werden, friedlich. Und in Berlin wird über die Enteignung großer Wohnungsgesellschaften nur diskutiert. Aber was passiert, wenn die Situation sich zuspitzt und der Verdrängungswettbewerb zunimmt? Wenn die Betroffenen auf die Barrikaden gehen? Genau darum geht es in Thomas Melles neuem Stück mit dem vieldeutigen Titel «Die Lage».
«Personen in Wohnungen an Orten und Zeiten», nennt Melle seine Szenenfolge. Es ist ein illustrer Chorsatz, ein Konzert aus Stimmen von Makler*innen, Obdachlosen und der anwachsenden Gruppe von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Ehepaar Vero und Uwe S. ist in die Wüste gefahren. Vero möchte dort Urlaub machen, Uwe will schwarze Löcher im Weltraum erforschen. Wäre in Europa die Lichtverschmutzung nicht so hoch, hätte er am Heimathimmel forschen können. Sie hätten Bonn erst gar nicht verlassen müssen, die Ehe daheim retten können.
Was zunächst nach einem privaten Beziehungsdrama klingt,...
1815 bricht auf der indonesischen Insel Sumbawa der Stratovulkan Tambora aus. Mit einer so gewaltigen Intensität kehrt die Erde ihr Innerstes nach außen, dass das ausgestoßene Material zu weitreichenden Wetterveränderungen in Nordamerika und Europa führt. Die vulkanische Asche verdunkelt den Himmel, und das Jahr 1816 geht als «Jahr ohne Sommer» in die Geschichte...
Seitdem Shakespeare in seinem «Wintermärchen» Böhmen kurzerhand am Meer angesiedelt hatte («Bohemia. A desert country near the sea»), spukt der Mythos jener utopischen Landschaft durch die europäische Literaturgeschichte. Am Ende seines neuen Stücks lässt auch Jaroslav Rudiš Böhmen und Sachsen im Meer versinken, und nur ein Ort, der «Teufelsberg», ragt noch aus dem...
