Der Sinn hat Schweigepflicht
Wo Fortschritt ist, macht sich auch Nostalgie breit. Wien war bis in die 1990er Jahre noch dermaßen grau, dass man auch ohne hohes Ausstattungsbudget düstere Spionagefilme, die im Kalten Krieg spielten, drehen konnte. In den letzten Jahren hat sich die Stadt massiv verändert, schicke neue Stadtviertel sind aus dem Boden gewachsen, die Zwei-Millionen-Einwohner-Grenze liegt in greifbarer Nähe.
Bei so viel Modernisierungsoptimismus und Internationalität stellt sich natürlich die Frage: Was wird aus dem versifften Glamour, für den die Donaumetropole schließlich berühmt ist, dem legendären Wiener Schlendrian? Aus den abgerockten Beisln, den unfreundlichen Kellnern und überhaupt der Trinkkultur, die Komatrinken bereits zelebrierte, als es noch gar kein Wort dafür gab?
Pippi im Tschocherl-Land
Geht es nach der 31-jährigen Wiener Autorin und Zeichnerin Stefanie Sargnagel, dann braucht die Stadt keine Hipster-Lokale, in denen grüne Smoothies in Marmeladengläsern serviert werden, Dosenbier hat auch seinen Charme. Und überhaupt sollten sich Frauen nicht dauernd darüber Gedanken machen, wie sie ihren Body upgraden können. Sargnagel, die mit wirklichem Namen Sprengnagel heißt, ist das Postergirl ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Karin Cerny
Am Anfang war die Fehlbeleuchtung. Ein fahriges Flackern, ein irrendes Licht. Helle Flecken, die dem konturlosen Dunkel der Weltbühne abgerungen scheinen, sich bei aller Zufälligkeit doch ordnen und damit so etwas wie den Beginn einer Zeitrechnung markieren. Den Beginn einer Geschichte allemal, in der das nordfranzösisch-belgische Duo Halory Goerger und Antoine...
Mit einem lauen Witz beginnt das Gespräch zweier Beschädigter; beide, er, Michael, und sie, die «Renata» genannt wird, treffen aufeinander in der Cafeteria einer Jugendpsychiatrie; sie kellnert und bringt fast immer Tee, wenn er Kaffee möchte. Und umgekehrt … Was sie denn so mache außerhalb des Cafés, fragt er. «Terrorismus!» sagt sie – hä? Nochmal bitte:...
Es summt und brummt in allen Ecken des Hauses, als seien seine Wände selbst lebendig geworden. In einer Ecke werden Messer geschmiedet, in der nächsten wird musiziert, dort plätschert Wasser durch ein Pflanzenbewässerungssystem, da sitzt eine Reihe von Menschen versunken an einem Tisch, jede*r für sich ein Video schauend. Die Maulwürfe sind eingefallen am...
