Der Sinn hat Schweigepflicht

In Wien möchte man lieber nicht: Autorin Stefanie Sargnagel verweigert in «Ja, eh!» die Selbstoptimierung, René Pollesch hebelt in seiner Meta-Komödie «Carol Reed» die Bedeutung aus

Wo Fortschritt ist, macht sich auch Nostalgie breit. Wien war bis in die 1990er Jahre noch dermaßen grau, dass man auch ohne hohes Ausstattungsbudget düstere Spionagefilme, die im Kalten Krieg spielten, drehen konnte. In den letzten Jahren hat sich die Stadt massiv verändert, schicke neue Stadtviertel sind aus dem Boden gewachsen, die Zwei-Millionen-Einwohner-Grenze liegt in greifbarer Nähe.

Bei so viel Modernisierungsoptimismus und Internationalität stellt sich natürlich die Frage: Was wird aus dem versifften Glamour, für den die Donaumetropole schließlich berühmt ist, dem legendären Wiener Schlendrian? Aus den abgerockten Beisln, den unfreundlichen Kellnern und überhaupt der Trinkkultur, die Komatrinken bereits zelebrierte, als es noch gar kein Wort dafür gab?

Pippi im Tschocherl-Land

Geht es nach der 31-jährigen Wiener Autorin und Zeichnerin Stefanie Sargnagel, dann braucht die Stadt keine Hipster-Lokale, in denen grüne Smoothies in Marmeladengläsern serviert werden, Dosenbier hat auch seinen Charme. Und überhaupt sollten sich Frauen nicht dauernd darüber Gedanken machen, wie sie ihren Body upgraden können. Sargnagel, die mit wirklichem Namen Sprengnagel heißt, ist das Postergirl ...

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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Karin Cerny

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