Der Roman raschelt

Keine Lotusblüte ohne Schlamm: Luk Perceval geht am Hamburger Thalia mit Dostojewskis «Die Brüder Karamasow» auf Sinnsuche

Theater heute - Logo

Vor dem Thalia Theater toben die Vorbereitungen des Evangelischen Kirchentags. Aufgekratzte Christen spazieren durch die Hamburger Innenstadt, hoffnungsfroh, sicher im Glauben. Im Thalia hingegen ist nichts sicher. Da wird Glaube verworfen, neu aufgerollt, in Fanatismus gewendet und vor allem umfassend diskutiert: Als letzte große Premiere der Spielzeit inszeniert Luk Perceval Fjodor M. Dostojewskis Roman «Die Brüder Karamasow», der «das Ringen um Sinn und Moral» ins Zentrum stellt, ein Ringen, das eigentlich die Paradedisziplin der Religion ist.

Reden.

Und Reden

Es ist kein Zufall, dass die Premiere ausgerechnet am Vorabend des Kirchentages stattfindet: Das Thalia ist ein Spielort des evangelischen Laientreffens, «Kirchentag im Thalia Theater ist Kultur, ist Gesellschaft, ist Europa und ist eine Einladung», wirbt die Bühne auf ihrer Website, mit Perceval führt der hauseigene Spezialist für metaphysische Stoffe Regie (der freilich den Buddhismus im Vergleich zum Protestantismus für sinnstiftender hält). Und ähnlich wie beim Kirchentag mit seinem Diskurscharakter ist auch Dostojewskis 1.000 Seiten dicker Roman durchzogen von einem andauernden Abwägen unterschiedlicher Positionen: Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Dösen in der Höhle

Kleine Produktion, große Wirkung: Wenn's nach dem Echo in den Feuilletons und dem Diskus­sionsfuror im «nachtkritik»-Forum geht, dann scheint Stefan Ottenis Handke/Han-Adaption die größte Hervorbringung des Karlsruher Schauspiels in bislang eineinhalb Spielzeiten von Peter Spuhlers Intendanz zu sein. Freilich: Wer einen Sloterdijk-Buchtitel («Du musst dein Leben...

Zwei kurze Stücke über die Liebe

Der russische Autor und Theatermacher Iwan Wyrypajew hat bisher unter anderem die poetische Textperformance «Sauerstoff» oder den trockenen Massenmördermonolog «Juli» vorgelegt. Sein Stück «Illusionen» wurde 2011 auf Deutsch in Chemnitz uraufgeführt, die Figuren haben englische Vornamen, und die Form des Stücks ist sichtlich von Erzähltheaterformaten à la Forced...

Liebe Gemeinde!

«Ich existiere», ruft Fabian Hinrichs aus, «um 20 Uhr 34 im Thalia Theater!» Einspruch! Das mit der Uhrzeit stimmt zwar, aber Hinrichs existiert gerade ganz eindeutig nicht im Thalia, sondern ein paar Straßen weiter im Hamburger Schauspielhaus, für das der Theaterkünstler der Stunde gemeinsam mit Bühnenbildner Jürgen Lehmann «Ich. Welt. Wir. Es zischeln 1000...