Der Mix ist wichtig

Das Berliner RambaZamba Theater, eine der wichtigsten inklusiven Bühnen des Landes, ist strukturell unterfinanziert – ein Gespräch mit dem künstlerischen Leiter Jacob Höhne

Theater heute - Logo

Christian Rakow Jacob Höhne, das Ramba-Zamba-Theater hat mit einem Brandbrief auf die strukturelle Unterfinanzierung des Hauses aufmerksam gemacht. Zentrale Teile des Programms könnten nicht fortgeführt werden, heißt es. Sie verwalten einen Etat von etwa 1,5 Millionen Euro. Wie setzt der sich zusammen? 
Jacob Höhne Wir haben eine institutionelle Förderung von rund 1,3 Millionen Euro und dann fest zugesagte Gelder von jährlich etwa 180.000 Euro aus der Projektförderung, die uns aber jederzeit gestrichen werden können.

Die wurden vom vorherigen Kultursenat bewilligt, weil ich schon damals sagte, wir brauchen 200.000, um die strukturellen Mehrkosten und die Produktionskosten ein bisschen abzupuffern. Aber sie sind nicht institutionalisiert worden, sondern die kriegen wir immer jedes Jahr neu als Projektkosten dazu. 

Rakow Wie hat sich die Förderung seit Ihrem Antritt als Intendant 2017 insgesamt verändert? 
Höhne Ich fing bei 550.000 Euro an und habe das im Prinzip zu dem hin kommuniziert, wo es jetzt ist. Wir waren damals strukturell massiv prekär. Der ganze Technikbereich wurde von Menschen aus dem zweiten Arbeitsmarkt gestellt, Ein-Euro-Kräfte, teils mit Drogenproblemen oder jeglichen sozialen Problemen, die auch mit dem Haus kollidiert sind. Das habe ich der Politik erklärt: Wir sind für die Menschen mit Behinderungen zuständig und nicht ein Sozialprojekt für Leute, die keinen Job finden. Gebt mir verdammt nochmal das Geld für Techniker:innen, die hier diesen Betrieb von 110 Vorstellungen aufrechterhalten können. Das haben sie dann irgendwann verstanden, und dadurch gab es mehr Geld. 

Rakow Wie viele feste Mitarbeiter:innen haben Sie aktuell? 
Höhne Es sind 27. Aber die übernehmen teils mehrere Aufgaben: Das KBB macht das Ticketing mit. Unsere Pressefrau leitet die Kommunikation und kümmert sich auch noch um unseren Agenturbereich. Es sind sozusagen zwei Stellen auf einer, die bezahlt wird. 

Rakow Im Brandbrief schreiben Sie, dass das künstlerische Budget inzwischen durch die Fixkosten aufgefressen wird. Was sind die Kostentreiber? 
Höhne Das sind verschiedene Punkte. Das Material ist teurer geworden, die Personalkosten, die Regieteams natürlich auch. Die Energiekosten sind gestiegen. Wir haben unsere Premierenanzahl schon 2023 von acht auf vier reduziert, weil länger klar war, dass gespart werden muss.

Rakow Das RambaZamba ist in einer Sahne-Immobilie in der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg beheimatet. Ist der Spielort gesichert? 
Höhne Der neue Mietvertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, aber da kämpft die Senatsverwaltung. Und es ist auch in Aussicht gestellt, dass die Mietkostensteigerung übernommen wird. 

Rakow Sie haben das Ramba-Zamba während Ihrer Direktion zu einer Art freiem Stadttheater aufgebaut: mit festem Ensemble und Repertoirebetrieb. Wenn Ihr künstlerisches Budget schrumpft, müssen Sie Ihren Spielplan dann vermehrt mit Projektanträgen bestreiten, so wie es an anderen freien Häusern üblich ist? 
Höhne Ja, aber mit kurzfristigen Anträgen kriege ich nicht die Künstler:innen, mit denen RambaZamba arbeitet. Mit Regisseuren wie Leander Haußmann oder Jorinde Dröse muss ich mich zwei Jahre im Voraus verabreden. Eine Projektförderung wird, wenn ich Glück habe, sechs oder sieben Monate vorher zugesagt oder abgesagt. In dieser Kurzfristigkeit bekommst du in den Spielplänen in der Regel keine andere Position. Der Erfolg von RambaZamba fußt ja auch darauf, dass wir einfach eine gewisse Prominenz und damit auch spezielle Kompetenzen mit unseren Schauspielerinnen zusammenbringen. Natürlich arbeiten wir nicht nur mit Künstler:innen, die so bekannt sind, aber der Mix ist wichtig. 

Rakow Mit Regisseuren wie Leander Haußmann oder auch Milan Peschel schließen Sie bewusst an ein Theater in der Tradition der Volksbühne. Warum? 
Höhne Wir sind uns ästhetisch nah. In der Volksbühne erlebt man ein Theater im Werden; anderes Theater ist mehr auf Perfektion angelegt, auf ein stabileres Sein. An der Volksbühne gibt es ein Interesse an dem unsicheren, gefährlichen Moment. Das ist der Grund, warum es mit Leander oder Milan hier bei uns so gut funktioniert. Das Theater, das hier gemacht wird, muss immer mit diesem Punkt des Werdens spielen. 

Rakow Wie wichtig sind die regelmäßigen Kooperationen etwa mit dem Deutschen Theater Berlin für die Finanzierung des RambaZamba? 
Höhne Das ist auf jeden Fall relevant. Dort entstehen Einnahmen, weil wir unsere Schauspielerinnen mitbringen und es dafür eine Vergütung gibt. Dazu kommt die Sichtbarkeit an so einem repräsentativen Ort, die eine hohe poliische Bedeutung hat. 

Rakow Sollte der Kampf um den Mittelausgleich – im Raum steht ein Aufwuchs von 200.000 Euro – verloren gehen, stünde das RambaZamba dann vor dem Aus, oder müsste es sich zu einer projektbasierten freien Bühne transformieren? 
Höhne Du kannst am Ende alles transformieren und verändern. Aber dann ist es nicht mehr das RambaZamba. Man muss sich fragen, ob man diesen Leuchtturm will, der sehr weit strahlt, auch international. Dafür brauche ich die finanzielle Basis, eine kleine, um zwei, drei feste Verabredungen vornehmen zu können. 200.000 Euro sind keine große Sicherheit, um Produktionen zu realisieren. Die Kompetenz, die unsere Spielerinnen mitbringen, resultiert ja auch daher, dass wir dieses Repertoiresystem haben und so viel spielen, und weil wir mit so vielen verschiedenen Künstler:innen in Kontakt kommen. Ob das Wolfram Koch ist oder Uli Matthes in «Hospital der Geister» oder jetzt Jan Bülow in «Mord im Regionalexpress». Das sind einfach tolle, kompetente und spannende Künstler:innen. Und ich finde, das ist schon was Besonderes in der Begegnung. Und das schlägt sich auch in unserem Ensemble total nieder. Wenn wir das weglassen, ist es nicht mehr RambaZamba. Dann stehen wir wirklich vor dem Aus.


Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christian Rakow

Weitere Beiträge
Essential Kultur

Liebes Team des Theaterverlags, liebe Mitfeiernde, liebe zu Ehrende,

was für ein schöner Anlass für diesen Abend – der Raum voller Menschen mit ehrlicher Begeisterung für Kultur, für Berlins Bühnen und ihre fantastischen Ensembles: Drei Opernhäuser, sieben Spitzenorchester, ein Staatsballett, Dutzende Bühnen, Museen und Galerien, Festivals, Clubs und eine freie Szene, deren Energie diese...

Bitte weiterfahren

Die gute alte Moderne hält uns immer noch auf Trab. Aber es sieht gerade nicht gut aus für sie, d.h. für uns. Klimawandel, wachsende soziale Ungleichheit, Kulturkämpfe, zunehmende Migrationsbewegungen, Rechtspopulismus, politische Polarisierungsunternehmer, liberale Demokratien unter Druck, globale Spannungen, neue Kriege in der Ukraine und in Israel – alles Baustellen mit Sprengkraft....

Traumort sechste Liga

Viele Theatermenschen haben ein großes Herz für Fußball. David Bösch ist offenbar einer davon. Zur Eröffnung seiner zweiten Spielzeit als Linzer Schauspieldirektor hat der Regisseur die Stückentwicklung «Das Derby» angesetzt, «ein Stück Fußball in zwei Halbzeiten» (Untertitel). In der «Blackbox» (das ist eigentlich die Studiobühne des Musiktheaters) sind im Foyer histori -sche...