Der Himmel leer
Mit den Worten «hallo? / hört uns jemand?» eröffnet der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer sein neues Theaterstück, eine hochmusikalische, rhythmisch stark geformte Sprachpartitur. Die Frage, die sich als ein Angebot an das Publikum verstehen lässt, in einen Dialog zu treten, ist eine rhetorische, denn die Verlorenen werden kein Gehör finden.
Bereits im Prolog, in dem die Polyphonie «einzelner», «einiger», «einiger anderer», «einiger und einiger anderer» sich zu einem gemeinsamen Gebet «aller» formt – einem Vaterunser ex negativo –, wird allgemein postuliert, was den individuellen Leidensweg der Figuren bestimmen wird: «unumstößlich / ohne Rat und ohne Hilfe eingeschlossen / alles schon beschlossen / drüben: keine andre Welt / kein Drüben, Draußen, Droben / Jenseits nicht / gespielt sind alle Karten schon / es folgt auf dies / dies alles / diese / keine nächste / nächste Runde / die Partie ist einzig / wiederholt sich nicht / für alle / gibt es nicht genug / was kümmert es das Spiel / wer es verliert.»
Die Parameter sind festgelegt, die Regeln definiert, die Spieler*innen räumen nach dem Prolog das Feld und verwandeln sich mit der ersten Szene in Figuren. Im Zentrum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In der vierten Spielzeit von Intendant Matthias Lilienthal haben sie es tatsächlich geschafft: Die Münchner Kammerspiele sind das Theater des Jahres! Nach zunächst intensivem Fremdeln der Lokalpresse und auch des Stammpublikums, nach dem Weggang beliebter Ensemblekräfte und drohender Überforderung des Hauses durch die Doppelfunktion als Stadttheater und...
Wir wurden im Frühjahr 2019 vom leitenden Dramaturgen Daniel Richter angefragt, ob wir die zehn Inszenierungen des diesjährigen Theatertreffens sehen und auf die Frage hin einschätzen wollen, wie männlich das Theatertreffen sei. Als Theaterwissenschaftlerinnen und Geschlechterforscherinnen nahmen wir uns dieser Aufgabe sehr gern an – und hier sind nun unsere...
Die verflochtene Familien-, Finanz- und Wirtschaftsgeschichte «Habgier, Angst & Hoffnung. Zehn Jahre in Europa» des belgischen Autors, Regisseurs und Theaterleiters Stijn Devillé spannt einen großen Bogen von den Anfängen dieses Jahrhunderts bis zur Gegenwart und beginnt im ersten Teil seiner Trilogie («Habgier») mit einer Erzählung aus ungewohnter Perspektive....
