Der Fuchs Erinnerung
Begleitet wird er von Aron, einem jungen Mann, den die Universität ihm zur Seite stellt, und Geistern der Vergangenheit. Durch sie werden Oberflächen der Gegenwart durchlässig, entstehen Verbindungen zu tiefer liegenden kol -lektiven Erfahrungen und Gefühlen. Der vielstimmige Monolog verbindet deutsche Historie, Familiengeschichte und Alltagserlebnisse. Und er nutzt dafür unterschiedliche Textformen, ist streckenweise Essay, macht Archivmaterial ebenso zugänglich wie Fotos oder Gesprächsprotokolle. Vor allem aber ist er eine Selbstvergewisserung im Akt des Schreibens.
In ihm wird der Text selbst zum Medium des Erlebens, nehmen wir als Lesende/Zuschauende teil an einer archäologischen Forschungsarbeit.
Wertheimer dokumentiert zunächst – so sachlich wie poetisch verdichtet – als umherstreifender Flaneur und mit einem Gestus des Zufälligen: «Es ist nur ein Tagebuch, das ich vor dem Einschlafen schreibe.» Zunehmend gezielt folgen Text und Autor dann familiären Spuren, machen eindrucksvoll erlebbar, wie sich Geschichte über Generationen in Seelen einschreibt und stellen Fragen nach Identität und kultureller Erfahrung. Es geht ins jüdische Krankenhaus, zur Synagoge, zum Friedhof. ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 162
von Katharina Gerschler
Etwas sträubt sich in uns gegen die öffentliche Rede vom persönlichen Verzicht. Es erinnert an Kardinaltugenden, an die Mäßigung, die Platon insbesondere dem unteren Stand verordnet. (Die oberen Stände dürfen sich um Weisheit und Tapferkeit kümmern.) Soll wirklich jede:r bei sich selbst anfangen? Ist die Rede vom individuellen Verzicht nicht der unpolitische...
Plötzlich / aus dem Schlaf schrecken» lauten die ersten Worte in Thomas Freyers neuem Stück «Ajax», in dem er den trojanischen Krieg mit der Gegenwart verschneidet. Das böse Erwachen wird im Verlauf des Geschehens nicht nur die gleichnamige Hauptfigur treffen. Zunächst ist es jedoch der zehnjährige Jonathan, der in der «nächtlichen Stille» das Bett verlässt und «in...
Wir muten uns dem Planeten, der Natur, allen anderen Lebewesen so gnadenlos zu, dass ein persönlicher Verzicht eigentlich gar keine Kategorie mehr sein kann. Wir greifen nach immer mehr, wollen immer mehr Macht in allen Bereichen. Wir richten uns in immer höheren Ansprüchen ein, deren minimale Reduzierung uns dann schon als Opfer erscheint. Wirklicher Verzicht...
