Das Unbehagen der Endzeit
Zum Hangover gibt es keinen Anlass. Auch wenn diese Afterhour zwischen Party und Kater zum Seelenschmetter neigt: Sie hat auch was Entflammendes. Zumindest wenn man den Beschwörungen des Ensembles, in der behaupteten Gleichzeitigkeit von Jetzt und Danach nur keine Zusammenhänge aufspüren zu wollen, nicht ganz traut und im Motive-Remix gleichwohl nach so was wie einem Sinn sucht.
Zunächst einmal feiert sie die Ereignislosigkeit. Beschwört die Leere und mutet nach dem Lockdown auch wie eine Rückeroberung des Theaterraums an.
Die 50 zugelassenen Zuschauer*innen sitzen in der Schiffbau-Box dem Wandgeviert entlang in einer Reihe um den leeren Raum. Nur ein Projektor senkt sich sanft vom Schnürboden, präziser: ein Ring aus Projektoren, die Bilder von Bränden und Feuer ins Kreisinnere werfen. A priori nicht gerade zuschauerfreundlich, rein innerlich, nach außen unscheinbar. Also ist wohl auch Eroberung nicht genau das Wort, sondern vielmehr von einem Sich-wieder-in-den-Raum-Hineintasten zu sprechen. Zu dem auch das Publikum eingeladen ist.
Der Abend lässt den Präparatorien viel Gewicht. Was entsteht, wird aufgebaut, zum Beispiel Mörser, in denen die fünf Performer*innen umständlich eine ...
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Andreas Klaeui
König zu sein, ist kein Traumjob. Ständig streiten sich zwei, welche Entscheidung man als Regent auch fällt, zumindest einen Feind schafft man sich immer. Im Fall des glücklosen Herrschers Richard II., einem tragischen Träumer, dem zum Regieren schlicht das Talent fehlt, sieht man aber auch schön, was bei Shakespeares Königsdramen verschärfend hinzukommt: Der Mann...
Das Statement, das die international bestens vernetzte Kuratorin Marina Davydova dem Russian Case des Festivals Goldene Maske vorausschickte, formulierte in voller Absicht eine Polemik: «Bei der Auswahl der Produktionen habe ich mich von nichts anderem als von ästhetischen Kriterien leiten lassen», erklärte sie. «Während in Russland – wie überall auf der Welt – die...
Langsam, sehr, sehr langsam lässt das Blendlicht locker. Dann ein Cut to black. Und in der nächsten Sekunde ploppt vor den Augen des Publikums in der Kaserne Basel ein klinisch nackter Raum auf. Ein hübscher optischer Trick. Man sieht: leere Wände, ein Bett, ein portables Soundsystem, Getränkedosen, Süßkram. Dazu sieben Teenager-Dummys, die lebensechte Ausführung....
