Das schuldige Herz
Es war ein lausiges Leben, das W. führen musste. Kurz war es auch (1780–1824), voller Erniedrigungen, Entbehrungen, bestimmt von Krieg und Gewalt. Und unerfüllter Liebe. Schließlich dann diese Tat, die unentschuldbar, möglicherweise doch erklärbar ist: blinde Eifersucht? Am 21. Juni 1821 ersticht Johann Christian Woyzeck die Witwe Johanna Woost.
«Stich, stich die Woostin tot. Stich sie tot, tot!» Das waren die Worte, die vor der Tat in Woyzecks wirren Kopf herumtobten.
Er konnte sich nicht erinnern, sagte er beim Polizeiverhör, woher sie kamen: Hatte er sie selber gesprochen, flogen sie ihm zu, war da irgendwo eine Stimme, die ihn drängte? Als hätte ihn die Hand eines Riesen gepackt, stammelte er vor den Beamten, die so «verstummend» war, «dass es ihm vorgekommen sei, als wäre nicht das Geringste geschehen, als wären die Worte nicht einmal gesprochen worden». Ein schuldig Unschuldiger? Ein Mörder, den man eigentlich nicht belangen kann, weil es vielleicht doch nicht sein «freier Wille» war zu töten? Ein Irrer?
Der Fall und die Figur: Beides hat von Georg Büchner über Alban Berg bis Werner Herzog Interpreten herausgefordert, diesen Woyzeck literarisch, musikalisch, filmisch zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2021
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Bernd Noack
Kay Voges ist seit der Spielzeit 2020/21 Intendant des Wiener Volkstheaters. Dass er seine Intendanz erst ein Jahr später antreten konnte, hatte nur zum Teil mit der Pandemie zu tun: Wegen der Generalsanierung des Hauses hätte er ohnedies erst im Januar 2021 starten können. Die groß angelegten Renovierungs- und Erneuerungsarbeiten – Kosten: zwischen 27,3 und 29...
«Zorro» und «Wonder Woman», zwei überaus kämpferische Texte, kommen überraschenderweise als Clownsspiel daher. Vor allem der zweite – mit riesigen roten Clowns-Pantinen wackeln vier Frauen herein, die in der Folge die Geschichte eines grotesken Justizirrtums erzählen, der vor sechs Jahren Italien erschütterte und bis heute zum Aufregen ist. Eine junge Immigrantin...
Die Theaterzeitschrift im 62. Jahrgang
Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt, Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44 95 10,...
