«Das Ordentliche müsst ihr nicht spielen. Das kommt von allein»
10. November
Leseprobe. Die Schauspieler, die Gosch um sich versammelt hat, haben alle schon mit ihm gearbeitet. Sie sind dabei gut gefahren. Jeder von ihnen weiß um seine Krankheit. Er beginnt mit der Bitte, man möge ihn nicht an den Schultern berühren. Die Metastasen seines Tumors haben sich unter die rechte Schulter geschoben. Angela Schanelec hat das Stück neu übersetzt. Sie hat einen Ton gefunden, der anklingen lässt, was Gosch in seinen letzten Arbeiten anstrebte: eine von allen Schlacken des Abgelebten befreite Gegenwärtigkeit.
11.
November
Wie zur Beschwörung der Angst vor dem Spielen bricht vor der ersten szenischen Probe eine Debatte über Kostjas «Theater der neuen Formen» aus. Wie soll man es präsentieren, wenn man’s nicht ironisieren will? Man ist sich einig, dass die Aufführung hier schon entgleisen kann. Bei der Uraufführung hatte das Publikum den Eindruck, dass es zum Lachen gebeten ist, und hat sich wohl bis zum Schluss dran gehalten. Gosch will jeden Naturalismus (Mond, Bretter, Vorhang, Schwefel) vermeiden. An der Rampe soll ein Flussstein liegen. Er soll Kostja als Bühne dienen. Aber wie soll gespielt werden?
Tschechow hat das Theater der Arkadina, von dem ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Die Inszenierung des Jahres, Seite 104
von Michael Eberth
Die höchst produktive Schizophrenie des Andreas Kriegenburg ist jetzt schon neun Jahre alt. Sie brach im Jahr 2000 aus. Da sollte er am Wiener Burgtheater «Dantons Tod» inszenieren, kombiniert mit Heiner Müllers «Auftrag», ein Revolutions-Spektakel, und war sich plötzlich vollkommen sicher, wie die Bühne dazu auszusehen hatte: Drei Wände, die nach einem Vorspiel...
Die Proben haben begonnen, und Nina Hoss und Susanne Wolff stehen für die erste Szene von «Öl» auf der Bühne. Wie aber der Schluss von Lukas Bärfuss’ neuem Stück aussieht, wissen wir nicht. Es ist noch nicht fertig. Was auf dem Theater ein ungewohntes, irritierendes Gefühl ist, kennen wir aus dem Leben nur allzu gut. Wir wissen selten, wohin etwas führt, wie es...
In der Höhe» ist ein Gasthof oberhalb von Salzburg in der Nähe der Irrenanstalt, in dem ein Gerichtssaalreporter und Aushilfslehrer am Mozarteum, der eine vage Ähnlichkeit mit Thomas Bernhard besitzt, mit der Vorstellung des Selbstmords experimentiert. Er macht einen Retttungsversuch im Schreiben und notiert die Elemente, aus denen er zusammengesetzt ist: sein...
