Das gestürzte Idol

Ibsens «Hedda Gabler» von Karin Neuhäuser am Schauspiel Köln

Die zuhauf in Zellophan verpackten Blumensträußchen, mit denen das Ehepaar Tesman im seinem neuen Haus begrüßt wurde, erinnern an die Mitbringsel trauernder Massen, niedergelegt zum Gedenken an eine zu Tode gehetzte, sich müde getanzt habende Prinzessin oder an in den Pop-Himmel aufgefahrene Stars.

Ist vielleicht auch Hedda Gabler ein solch früh geende­tes Idol, bewundert und verkannt von den Män­nern und Frauen ihrer Umgebung, ihren Regisseuren und Zuschauern?

Womöglich birgt dies die wesentliche Einsicht von Karin Neuhäusers Inszenierung am Schauspiel Köln: Sie stürzt das Idol und richtet eine Frau in ihrem unlebbaren Widerspruch auf. Nach dem Knall, mit dem sie sich aus dem Leben geschossen hat, ertönt ein offensives Lachen Heddas – sie tritt nach vorn, verbeugt sich und nimmt den Applaus ihrer Bewunderer entgegen. Nur eine Sch(l)uss-Pointe – oder nicht vielmehr Demonstration einer über den Tod hinaus friedlosen Untoten, deren Verächtlichkeit und Rachegefühl für eine Welt, in der sie und an der sie ihr eigenes Ungenügen nicht mehr erträgt, ihr keine Ruhe lässt?

Neuhäuser hat einen zugleich milden und geschärften Blick auf die Figuren. Die werden einem nicht sympathischer, aber ...

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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Andreas Wilink

Vergriffen
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