Das Ding mit der Brille
Als sie erfuhr, sie werde die erste außereuropäische Programmdirektorin von Theater der Welt, bestimmte die Corona-Pandemie noch das Geschehen. Chiaki Soma, eine der wichtigsten Produzentinnen und Festivalmacherinnen Asiens, saß in Tokio fest und dachte über mögliche Schwerpunkte nach, die in zwei Jahren das Festival prägen sollten, das vom Zentrum Bundesrepublik Deutschland des Internationalen Theaterinstituts e.V. im mehrjährigen Wechsel an eine jeweils andere Stadt oder Region in Deutschland vergeben wird.
Klar war, dass Chiaki Soma vor allem Theater aus Asien vorstellen und Japan besonders berücksichtigen wollte. Es sollte aber auch ein Festival im Festival geben, das sie «Incubation Pod. Dreaming Worlds» nannte und in dem sie von einem Zustand ausging, den sie heute so beschreibt: «Inkubation ist für mich eine Zeit des Wartens und ein Symbol für die Pandemie. Ich bin ja sehr ungeduldig, hatte während der Pandemie aber das Gefühl, mein Leben sei zu Ende. Dieses Gefühl, die Zeit gehört mir nicht mehr, ich kann nur noch warten und weiß nicht, was wird.» Chiaki Soma gründete und leitet das unabhängige Kunst- und Theaterkollektiv Arts Commons Tokyo und ist außerordentliche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Festivals, Seite 22
von Jürgen Berger
Fast verwehte Spuren» nannten Albert Klein und Raya Kruk 1994 ihren Versuch, das Leben und die künstlerischen Wege des jüdischen Schauspielers Alexander Granach darzustellen, der 1933 emigrieren musste, in Warschau, in der Ukraine und Russland in jiddischer, polnischer und russischer Sprache Theater spielte, 1937 in die Schweiz ausreisen konnte und rechtzeitig vor...
Tun wir es wieder / Und wieder / Und wider die Natur», singen Géraldine Schabraque und Sarah Plochl in der Kantine, die als Treffpunkt der queeren Subkultur im nationalsozialistischen Hamburg fungiert. «Wider die Natur» verbindet als elektronisch grundierter TripHop «Die Namenlosen – Verfolgt in Hamburg» aus seinem historischen Bezug heraus mit der Gegenwart. Er...
Sponsoren weg, Geld weg, Kinos weg, das große Hollywood-Kino schon lang nicht mehr da, jetzt ist auch das Leitungsteam auf und davon: Die Berlinale ist in der Polykrise, gelinde gesagt. Zu behaupten, dass allein Claudia Roth die Schuld daran trägt, wäre nicht fair. Aber falsch gemacht, was man falsch machen kann, hat sie schon. Wer rekonstruieren will, wie alles...
