Borke und Baum

Die Schauspielerin Anja Herden war Pionierin – als eine der ersten Nichtweißen auf deutschen Bühnen. Über die Schwierigkeit, im Diskurs um Rassismus und Diversität einen Standpunkt zu finden

Immer wieder liegt derselbe Stolperstein im Weg, Skepsis und Zweifel beunruhigen, verunsichern und hemmen immer wieder neu. «Warum ich?», fragt sich Anja Herden jetzt, wo sie erzählen soll von sich selbst. «Bin wirklich ich gemeint?» Oder geht es wieder um den «Diskurs», zu dem sie nun mal gehört und für dessen Beglaubigung sie womöglich gerade herhalten soll. Erklärtermaßen tut sie das gern beispielhaft, weil sie nun mal eine Pionierin war, ob sie will oder nicht.

Sie selber aber fragt sich: «Wie rede ich über mich und meinen Weg im Theater?» Empfunden jedenfalls hat sie die eigene Sonderrolle vor über zwanzig Jahren nicht – eine der ersten nichtweißen Schauspielerinnen zu sein, als sie sich auf den Weg machte: «Ich war Schauspielerin und wollte einfach nur meinen Beruf möglichst gut machen. Das war mein Beitrag.» Zweifel am eigenen Ich gab’s genug, auch jenseits der Hautfarbe, mit der sie aus dem Rahmen fiel: «Zu dick, zu dumm, nicht gut genug für den Beruf …» – Selbstzweifel dieser Sorte seien ihr Problem gewesen; «… aber nicht: zu schwarz.»

Mehrheitlich gehen junge Schauspielerinnen und Schauspieler mit – so sagt Herden – «BiPoc-Hintergrund», also «black and indigenous people ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2021
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Michael Laages

Weitere Beiträge
Vanitas auf der Wiese

Noch ist das Zürcher Theaterspektakel nicht das alte; sanitäre Auflagen schränken es an allen Ecken ein. Denn was das «Speki» im Kern ausmacht, ist ja das pure Gegenteil von Corona-verträglich: ein großes Durcheinander, ein Kunstvolksfest auf der Wiese am See, bei dem sich Passant:innen und Theatergänger:innen mischen, Straßenkünstler:innen mit den eingeladenen...

«Nachhaltigkeit geht nicht ohne Entschleunigung»

Eva Behrendt Jenny Barthold, Sie engagieren sich in der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit am Staatsschauspiel. Seit wann spielt das Thema Klimaschutz für Sie als Bühnen- und Kostümbildnerin eine Rolle? 
Jenny Barthold Das Thema betrifft ja nicht nur die Ausstattung, sondern alle Bereiche. Persönlich ist Nachhaltigkeit mir schon lange wichtig, aber beruflich ist...

Alles wagen

Hatten seit Beginn der Intendanz von Shermin Langhoff jemals zwei Schauspielerinnen, weiß wie Schneeflocken, die Bühne für sich allein, begleitet nur von einem ebenfalls weißen Harfenisten? Das Team um die erstmals am Maxim Gorki Theater inszenierende Regisseurin Leonie Böhm hat den Bruch mit der postmigrantischen Normalität am Haus dick unterstrichen: Svenja...