Böhmen am Meer
Seitdem Shakespeare in seinem «Wintermärchen» Böhmen kurzerhand am Meer angesiedelt hatte («Bohemia. A desert country near the sea»), spukt der Mythos jener utopischen Landschaft durch die europäische Literaturgeschichte. Am Ende seines neuen Stücks lässt auch Jaroslav Rudiš Böhmen und Sachsen im Meer versinken, und nur ein Ort, der «Teufelsberg», ragt noch aus dem Wasser.
Rudis selbst ist ein Grenzgänger zwischen den Sprachen und Kulturen; aus dem böhmischen Lomnice nad Popelkou stammend, lebt der Autor inzwischen in Berlin, und auch sein neuester Roman «Winterbergs letzte Reise» ist von ihm in Deutsch verfasst. Rudis ist aber auch ein Grenzgänger zwischen den Künsten, er textet für Graphic Novels wie «Alois Nebel», ist als Sänger mit der «Kafka Band» unterwegs. In der Literatur ist er ein Grenzgänger zwischen den Genres. Sein Erfolgsroman «Nationalstraße» handelt von der Tragödie und der Lebenslüge eines Polizisten, der sich als ehemaliger Revolutionär ausgibt und am Ende grausam stirbt, und ist doch gleichzeitig von schweijkhafter Komik durchdrungen. Mit «Anschluss» stellt Rudis schon im Titel die Bezüge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts her, bricht diese aber sofort in seiner ...
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Die verflochtene Familien-, Finanz- und Wirtschaftsgeschichte «Habgier, Angst & Hoffnung. Zehn Jahre in Europa» des belgischen Autors, Regisseurs und Theaterleiters Stijn Devillé spannt einen großen Bogen von den Anfängen dieses Jahrhunderts bis zur Gegenwart und beginnt im ersten Teil seiner Trilogie («Habgier») mit einer Erzählung aus ungewohnter Perspektive....
Immer wieder sehen wir das ernste, ruhige, nachdenkende und schelmische Gesicht von Cleo, das so viele Gefühle bewegt, die wir nicht lesen können. Sie ist das Kindermädchen im Haushalt einer privilegierten weißen Familie der Mittelschicht, die im behüteten Stadtteil Roma in Mexico City lebt. Cleo ist Mestizin und kommt aus dem Dorf Oaxoca. Sie bedient zusammen mit...
